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/ 23.01.2014
Roberto Saviano

Der Kampf geht weiter. Widerstand gegen Mafia und Korruption. Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Rita Seuß

München: Carl Hanser Verlag 2012; 175 S.; geb., 16,90 €; ISBN 978-3-446-23881-7
Für die Fernsehreihe „Vieni via con me“ („Komm mit mir“) erzählte der Journalist Roberto Saviano – der mit seinem Buch „Gomorrha“ über die organisierte Wirtschaftskriminalität für Aufsehen sorgte und seitdem um sein Leben fürchten muss – einige ausgewählte Geschichten, die exemplarisch für den Zustand Italiens stehen. Die zunächst vom staatlichen Fernsehen RAI ausgestrahlten Sendungen erzielten hohe Zuschauerquoten, wurden aber dennoch gestoppt und schließlich auf einem privaten Fernsehkanal fortgesetzt. In diesem Buch sind nun die Themen nachzulesen. Nach der Einleitung und der These, dass eine Teilung des Landes – wie von der Lega Nord angestrebt – keines der aktuellen Probleme lösen würde, skizziert Saviano zunächst, womit in Italien jeder, der sich dem eingespielten, partikularen Interessen folgenden Miteinander entgegenstellt, zu rechnen hat, sei es als Kritiker des Vatikans oder als Staatsanwalt, der gegen die Mafia ermittelt: mit Verleumdung. So erinnert Saviano an Staatsanwalt Giovanni Falcone, der bis zu seiner Ermordung massiv diskreditiert wurde. „Er wusste, dass in Italien nur der Tod eine Legitimation darstellt.“ (51) Auch in den weiteren Kapiteln wird deutlich, wie wenig wesentliche Teile von Staat und Gesellschaft an einer Bekämpfung wirtschaftskrimineller Strukturen interessiert scheinen. Dieses Desinteresse hat inzwischen sogar zur Verseuchung ganzer Landstriche in Süditalien geführt, dort wird illegal, aber allgemein bekannt Giftmüll entsorgt. In der Folge ist die Rate von Krebserkrankungen in der Bevölkerung unübersehbar gestiegen, Konsequenzen aus dieser Entwicklung zeichnen sich nicht ab. Diese Verantwortungslosigkeit zieht sich durch alle Bereiche des öffentlichen Lebens, wie Saviano auch mit seiner Geschichte über das Erdbeben in L’Aquila nahelegt. Viele der Opfer seien nicht eigentlich dem Erdbeben geschuldet, sondern den Machenschaften schlampig arbeitender Bauunternehmen und einer mangelhaften öffentlichen Kontrolle. Am Beispiel eines Vereins zur Hilfe Behinderter, der ein von der Mafia beschlagnahmtes Haus zu beziehen wagte, illustriert der Journalist in einem anderen Kapitel, wie viel Mut manchmal erforderlich ist, um Recht und Gesetz umzusetzen. Nicht wenige Menschen aber gehen offenbar lieber den bequemeren Weg und versuchen, von der Verflechtung von Politik und Mafia vor allem auf kommunaler Ebene zu profitieren – und sei es mit einer Einnahme von 50 Euro für den Verkauf der eigenen Wählerstimme. Das Prozedere ist in diesem Buch genau nachzulesen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.222.23 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Roberto Saviano: Der Kampf geht weiter. München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36630-der-kampf-geht-weiter_43404, veröffentlicht am 23.01.2014. Buch-Nr.: 43404 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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