/ 21.06.2013
Jürgen Bevers
Der Mann hinter Adenauer. Hans Globkes Aufstieg vom NS-Juristen zur Grauen Eminenz der Bonner Republik
Berlin: Ch. Links Verlag 2009; 240 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-86153-518-8Im Mittelpunkt des Buches steht „ein immer wiederkehrendes Ärgernis der Adenauer-Ära“ (7) – Hans Globke, der erst den Nationalsozialisten im Reichsinnenministerium diente und dann als Ministerialdirigent im Bundeskanzleramt Adenauer beriet. Vorgelegt werde keine erzählende Biografie, schreibt Beyers, sondern es werde „versucht, Globkes Handeln in seinem gesellschaftlichen Umfeld und seinen ideologischen Bezügen erklärbar zu machen“ (9). Das Buch basiert auf einer Fernsehdokumentation, die der Autor mit seinem Kollegen Bernhard Pfletschinger 2008 für ARTE und den Westdeutschen Rundfunk drehte. Der gläubige Katholik Globke hatte, so haben die Recherchen ergeben, schon als junger Ministerialbeamte 1932 (!) judenfeindliche Vorschriften erlassen, war dann am preußischen Ermächtigungsgesetz vom Juni 1933 beteiligt und kommentierte die Nürnberger Rassegesetze. „Wurde er später mit seiner Geschichte konfrontiert, beschrieb er in seitenlangen, detaillierten Gegendarstellungen seine fehlende Zuständigkeit, seine Abwesenheit oder seinen inneren Vorbehalt. Oder er konnte sich einfach an nichts mehr erinnern.“ (208) Aber dies schien auch gar nicht nötig gewesen zu sein; Globke, der sowohl die Integration der am nationalsozialistischen Regime Beteiligten als auch die der Katholiken in die junge Bundesrepublik symbolisierte, konnte sich auf den Schutz des Kanzlers verlassen und wurde aus allen Kriegsverbrecherprozessen herausgehalten. Statt sich seiner Vergangenheit stellen zu müssen, wurde er als rechte Hand Adenauers in der Regierung und in der CDU mit einer großen Fülle an Macht ausgestattet. Ohne Adenauer wäre Globkes bruchlose Karriere nicht möglich gewesen, schreibt Bevers und verweist auf den Schaden, den die junge Bundesrepublik davon hatte – „von einer angeblichen ‚Stunde null’ konnte nicht die Rede sein.“ (17)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.331 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jürgen Bevers: Der Mann hinter Adenauer. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30738-der-mann-hinter-adenauer_36512, veröffentlicht am 19.08.2009.
Buch-Nr.: 36512
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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