Skip to main content
/ 22.06.2013
Rebecca Pates / Maximilian Schochow (Hrsg.)

Der "Ossi". Mikropolitische Studien über einen symbolischen Ausländer

Wiesbaden: Springer VS 2013; 238 S.; 24,95 €; ISBN 978-3-531-17725-0
„Es geht um die Frage, wie die ,Ostdeutschen‘ klassifiziert wurden und werden, welche Funktionen diese Zuordnungen haben und wie die Gesellschaft durch diese Klassifikationen verändert wird.“ (8) Sie zu beantworten, hat sich eine Gruppe Autorinnen und Autoren unter Leitung von Rebecca Pates und Maximilian Schwochow vorgenommen. Das Fazit des Bandes – laut einem Interview mit der taz aus überarbeiteten Hausarbeiten und dem Beitragswunsch einiger KollegInnen in Leipzig entstanden – lautet, der Ostdeutsche werde im „Diskurs“ (14) als Ausländer dargestellt. Wo dieser Diskurs unter wessen Teilnahme stattfinden soll, bleibt indes ebenso unklar wie die Funktionen, die der Ossi‑Begriff Pates zufolge erfüllt: Er naturalisiere Unterschiede und ethnisiere Konflikte in der deutschen Gesellschaft. Für wen oder was erfüllt der „Ossi“ (18) diese Funktionen? Im Gegensatz zu dem positiven, jedenfalls positiv gemeinten Image als „Avantgarde des neuen Arbeitsmarktregimes“ (23), das im Beitrag von Elena Buck und Jana Hönke angesprochen wird, kommen die meisten anderen Beiträge zu dem Schluss, „der“ Ossi werde als anormal und negativ dargestellt, schneide jedenfalls im Vergleich zu „dem“ Wessi deutlich schlechter im öffentlichen „Diskurs“ ab: ob als „Jammer‑Ossi“ (23), wirtschaftlich „kranker Körper“ (88) oder als „totalitär geprägter“ (153) Typus. Dies ist – kurz und bündig – das Resümee der insgesamt zehn Beiträge. Leider fehlt es dem Band an Systematik: Das Spektrum reicht von „Bilder von Ostdeutschen im Kontext von Psychotherapie“ (129) bis hin zu „Die Ostdeutschen in ausgewählten Karikaturen“ (191). Die Teilüberschriften – „Knechte der Avantgarde“ (21), „Der Schatten des ,Systems‘“ (127), „Ossis beschauen“ (189) – sorgen kaum für mehr Ordnung. Zu einer gewissen, wenngleich nicht wünschenswerten Homogenität trägt der Stil der Beiträge bei, der es weder an Polemik noch Soziologendeutsch (etwa: „Selbst über den deutsch‑deutschen Normalitätsdiskurs hinaus konstituiert sich die ungebrochene Bedeutung des Normalismus.“ [103]) mangeln lässt. Interpunktionsfehler und saloppe Formulierungen bereiten gleichfalls keine Lesefreude. Ob deswegen aber das Urteil der taz – „Setzen, sechs“ – treffend ist, mag jeder Leser und jede Leserin selbst entscheiden.
Tom Mannewitz (MAN)
Dr., Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.352.3152.3252.36 Empfohlene Zitierweise: Tom Mannewitz, Rezension zu: Rebecca Pates / Maximilian Schochow (Hrsg.): Der "Ossi" Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33677-der-ossi_40335, veröffentlicht am 14.03.2013. Buch-Nr.: 40335 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA