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/ 22.06.2013
Gian Enrico Rusconi (Hrsg.)

Der säkularisierte Staat im postsäkularen Zeitalter

Berlin: Duncker & Humblot 2010 (Schriften des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient 22); 291 S.; 78,- €; ISBN 978-3-428-13339-0
Spreche man heute von den westlichen Gesellschaften als postsäkular, so der Herausgeber, setze man als ausgemacht voraus, dass „sie den Weg der historischen Säkularisierung durchlaufen und sozusagen sein Ende erreicht haben“ (7). Dass jedoch eine weitaus differenzierte Sichtweise geboten ist, wird in den Beiträgen des Bandes sehr deutlich. Marco Ventura fragt, wie sich die europäische Integration auf die Religion auswirkt. Die Religion sei auf der Ebene europäischer Politik durchaus präsent, beispielsweise in den christlichen Parteien oder durch Konkordate. Einerseits, so erläutert Ventura, stärke die europäische Integration die Religion, indem sie ihr Freiheit garantiere und die Chance für eine europäische Identität biete. Andererseits entziehe die europäische Integration der Religion jedoch auch die Sicherheit, indem sie sie dem Wettbewerb unterwerfe und ihren angestammten Platz „auf den lokalen Märkten“ (283) untergrabe. Die Verwendung des Markbegriffs verweist auf die abschließende These des Autors: „Die europäische Integration führt zu einem religiösen Markt“. Er beschreibt die Wirkung des Prozesses der europäischen Integration auf die Religion als „implizit, stillschweigend“ und „unterirdisch“ (290). Die europäischen Institutionen würden dazu neigen, alle religiösen Subjekte so zu behandeln, als ob sie gleich und gleichwertig wären. Dem Autor ist ein Unbehagen über diese Beobachtung deutlich anzumerken. Alf Mintzel betrachtet die Herausforderungen des säkularisierten Staats am Beispiel Deutschlands. Er beobachtet „eine fortschreitende Dechristianisierung und Entkirchlichung“ sowie hieraus resultierende Forderungen nach einer Revision der Privilegierung der Kirchen. Vor allem auf der Ebene der Bundesländer vermutet der Autor ein „Auseinanderdriften“ (234) etwa der ostdeutschen und der katholisch geprägten Länder. Das Christentum, schließt er, sei „selbst zu einem konfessionspolitischen Problem geworden“ (235). Der Band versammelt die Beiträge der 49. Studienwoche des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient im Oktober 2006.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.232.352.212.32 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Gian Enrico Rusconi (Hrsg.): Der säkularisierte Staat im postsäkularen Zeitalter Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32501-der-saekularisierte-staat-im-postsaekularen-zeitalter_38789, veröffentlicht am 30.08.2010. Buch-Nr.: 38789 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA