/ 21.06.2013
Tobias Fabian Utikal
Die Anwendung von Mehrfachspielen auf politischen Lagen
Online-Publikation 2009 (http://edoc.ub.uni-muenchen.de/9637/1/Utikal_Tobias.pdf); V, 209 S.Politikwiss. Diss. München; Gutachter: L. Kern, U. Wagschal. – Die theoretisch orientierte Studie leistet aus spieltheoretischer Sicht eine Vertiefung des Rational-Choice-Ansatzes. So wird beispielsweise das Beschreibungsproblem des Gefangenendilemmas bei der Analyse zur Bereitstellung von öffentlichen Gütern durch das erweiterte spieltheoretische Modell der Mehrfachspiele entschieden vorangebracht und die unterschiedlichen Ziele politischer Akteure können erläutert sowie erfolgreiche Kooperationen ohne Verlust an Erklärungskraft durch die nichtkooperative Spieltheorie beschrieben werden. In Anlehnung an Lucian Kern erweitert Utikal dessen Definition des Mehrfachspiels um den Aspekt der Simultanität: „Mehrfachspiele sind simultane Verknüpfungen von zwei oder mehreren simultanen Spielen, wobei die Verknüpfung so erfolgt, dass einer der Ausgänge des einen Spiels nicht ein Auszahlungspaar oder -vektor ist, sondern ein weiteres Spiel“ (49). Ein derart ausgestaltetes Modell erlaubt es, die Überlegungen der Akteure zu erfolgreichen Kooperationen unter Einbeziehung von Anreizen über Kompensationen zu analysieren. „Im Gegensatz zu Entscheidungen über Kooperationen, die der Entscheidung über öffentliche Güter gleichen, ähneln Entscheidungen über die Aufteilung von Kompensationen der Aufteilung von privaten Gütern. Da die Entscheidungen […] simultan geschehen […], lassen sie sich nicht mit einem existierenden spieltheoretischen Modell erklären“ (83). Um die Brauchbarkeit seiner Überlegungen für die Praxis zu belegen, analysiert Utikal die Bildung von Minderheitsregierungen und die Abschlüsse internationaler Umweltabkommen. Jenseits der Begrenzung bisheriger Modelle auf wirtschaftliche Aspekte, ist es dem Autor anhand des Mehrfachspielmodells auch möglich, die politische Programmatik der Akteure einzubeziehen. Utikal betont somit abschließend: „Mehrfachspiele sind folglich nicht nur als spieltheoretische Entwicklung eines verfeinerten formalen Modells zu sehen, sondern auch als Interpretationswerkzeug für politische Lagen“ (199).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.45
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Tobias Fabian Utikal: Die Anwendung von Mehrfachspielen auf politischen Lagen 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30745-die-anwendung-von-mehrfachspielen-auf-politischen-lagen_36523, veröffentlicht am 23.04.2009.
Buch-Nr.: 36523
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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