/ 18.06.2013
Jörg Paul Müller
Die demokratische Verfassung. Zwischen Verständigung und Revolte
Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung 2002; 186 S.; geb., 23,- €; ISBN 3-85823-984-4Müller, bis 2001 Ordinarius für Staatstheorie, Völkerrecht und Rechtsphilosophie in Bern, geht in seinen staatstheoretischen Überlegungen davon aus, dass das Recht die "Grundlage notwendiger Kooperation in der Gesellschaft" (13) ist. Sozialer Friede und kollektives Wohlergehen seien nur zu sichern, wenn "die Bedürfnisse nach Selbstbestimmung" (14) ernst genommen würden. Dies gewährleiste eine demokratische Verfassungsordnung, denn sie sei nicht nur das stabilisierende Element der Demokratie, sondern halte auch die Möglichkeit des Umbruchs offen. Die Entwicklung der Staatstheorie erläutert Müller anhand der Schriften von Hobbes, Rousseau, Kant, Rawls, Habermas und Montesquieu. Berücksichtigt wird auch die feministische Kritik, wonach die "weibliche Ethik der Fürsorge" (63) bisher nicht beachtet worden sei. Hinsichtlich der (Weiter-)Entwicklung der Verfassung zieht der Autor nicht nur die diskurstheoretischen Ansätze und ihre Probleme heran, wobei er eine Brücke zwischen Montesquieu und Habermas schlägt. Verknüpft werden auch die Psychoanalyse Freuds und die Demokratietheorie. Das Gerüst eines demokratischen Staates baut sich demzufolge nicht nur auf Elementen rationaler Einsicht auf, sondern auch auf geschichtlichen Erfahrungen wie dem Trauma tyrannischer Einzelherrschaft. Das konstitutive Merkmal der demokratischen Willensbildung aber sei die "Freiheit der Kommunikation" (120).
Inhaltsübersicht: I. Demokratie zwischen Verständigung, Revolte und Vertrauen; II. Friedenssicherung als primäre Staatsaufgabe; III. Demokratie zwischen Tradition und Neuordnung; IV. Das politische und sozial-psychologische Problem der Macht; V. Verfassung als Lebensbedingung der Demokratie; VI. Formen und Akteure demokratischer Öffentlichkeit; VII. Repräsentation und demokratische Legitimität; VIII. Von der Unteilbarkeit politischer und wirtschaftlicher Freiheit im nationalen und globalen Raum; IX. Begriff und Wandel der Souveränität; X. Braucht die Polis Widerstand? Der Fall Antigone.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.41 | 2.27 | 2.21 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jörg Paul Müller: Die demokratische Verfassung. Zürich: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18579-die-demokratische-verfassung_21539, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21539
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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