/ 20.06.2013
Susanne Gaschke
Die Emanzipationsfalle. Erfolgreich, einsam, kinderlos
München: C. Bertelsmann 2005; 224 S.; brosch., 16,- €; ISBN 3-570-00821-5Mit der „Wissenschaftslyrik“ (8) feministischer Autorinnen hat die Journalistin Gaschke wenig am Hut, erkläre diese doch nicht die ambivalente Entwicklung einer erfolgreichen Frauenbewegung, die von einem „Gebärstreik“ (11) begleitet werde. Dieser sei ein Kollateralschaden der Emanzipation und entstanden, weil ein „Gegenentwurf zur ‚Herrenkultur‘“ (10) fehle. Das neue Ziel der Frauenbewegung müsse sein, „Mutter- und Elternschaft in dieser Gesellschaft attraktiv zu machen, ohne alle Freiheitsgewinne wieder über den Haufen zu werfen“ (12). Allerdings dürfe die Nachwuchsfrage, bei Strafe der Selbstabschaffung der Gesellschaft, wie sie schreibt, nicht länger nur den Frauen zugeschoben werden. Gaschke benennt die Ursachen von Kinderlosigkeit (vor allem: Unsicherheit über die eigene wirtschaftliche Existenz) sowie die künftigen Folgen der niedrigen Geburtenzahlen, zu denen die Verödung ganzer Regionen gehöre. Da vor allem Akademiker weniger Kinder bekämen, sollten sich diese um die Kinder der „anderen Leute“, der sozial Schwachen, kümmern, denn diese seien die Gesellschaft von morgen. Ohne einen Paradigmenwechsel in der staatlichen Erziehung, die bisher häusliche Aufgaben wie das Beibringen von Manieren und die Vermittlung von Kultur übernehmen müsse, „werden wir eine Gesellschaft bekommen, die wir nicht wollen können: eine Gesellschaft, die schrumpft, die sich entbürgerlicht, die kulturell verarmt und in der Forschung zurückfällt“ (103). Gaschke fordert auch ein neues Leitbild des Erwachsenen – es sollte ein gesellschaftlich anerkanntes Leben zwischen ewiger Jugendlichkeit und Seniorenteller geben; der Eintritt in das Erwachsenenalter sei auf die Geburt des ersten Kindes zu datieren. Die Autorin plädiert entgegen der Bedürfnisse der Arbeitswelt und einer „ökonomistischen Logik, die gegenwärtig darauf zielt, alle Frauen in die Produktion zu verfrachten“ (163), dafür, dass die Familie eine freie, nichtökonomisierte Sphäre bleibt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.36 | 2.3 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Susanne Gaschke: Die Emanzipationsfalle. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24772-die-emanzipationsfalle_28631, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28631
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