/ 18.06.2013
Hans-Olaf Henkel
Die Ethik des Erfolgs. Spielregeln für die globalisierte Gesellschaft
München: Econ 2002; 293 S.; geb., 22,- €; ISBN 3-430-14286-5Henkel beschreibt die tiefe Krise, die Deutschland erfasst hat und skizziert Gründe sowie Auswege. Belege fehlen dem Band ebenso wie ein Register. Leidenschaftlich plädiert der Autor gegen die hierzulande vorherrschende moralisierende Gleichmacherei und Bevormundung, gegen die pathologische Verleugnung eigener legitimer Interessen. Henkel bejaht optimistisch die Chancen der Globalisierung, die er "neben Aufklärung und Menschenrechtserklärung für die größte Errungenschaft der Menschheitsgeschichte" (141) hält. Seine Hoffnung für die Welt setzt er auf ein synergetisches Dreieck aus Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechten. Die Freiheit des Menschen, sein Mut und seine Eigenverantwortung in fairem Wettbewerb auf allen Ebenen sollen auch in Deutschland im Mittelpunkt stehen, nicht ein Gleichheitspostulat, welches am Ende nur Unfreiheit und Elend gebären kann.
Weder Gewerkschaften oder Managerkollegen noch Parteien oder Politiker wie Kohl, Rau oder Schröder bleiben von Kritik verschont. Henkel hat mit seinem Grundanliegen, mit welchen er hier primär ein einfaches Publikum anspricht, überaus Recht. Die Lektüre des anekdotisch strukturierten Textes ist aber auch für den geneigten Leser aufgrund des sehr persönlich gehaltenen stream-of-consciousness-Sermons vom Unternehmer-Stammtisch leicht ermüdend. Sachfehler wie die Behauptung, das als Illustration für die deutsche Leistungsfeindlichkeit im Bildungsbereich hergenommene Wort "Streber" lasse sich nicht ins Englische übersetzen (55), oder dass "nirgendwo auf der Welt [...] so häufig gewählt" werde wie in Deutschland (281) tragen ebenso wie eine mitunter böse Polemik (100) dazu bei, den für unser Land überlebenswichtigen Anliegen ihre überzeugende Kraft zu nehmen. Auf dreizehn Seiten "Ausblick" bringt Henkel für die von ihm geforderte Anpassung des Grundgesetzes außer Schlagworten wie "Political Re-Engineering" sehr problematische Vorschläge wie die Direktwahl des Bundespräsidenten sowie der Ministerpräsidenten (!) oder gar "die Abschaffung des Fraktionszwangs" ("ein undemokratisches, ja unethisches [...], ein totalitäres Element" [288]). Interessant sind seine Berichte über eigene Erfahrungen mit Politikern wie Gerhard Schröder.
Inhalt: 1. Die Nation der Sonderwege; 2. Die Folgen der "Erbsünde"; 3. Der selbstblockierte Staat; 4. Die verteufelte Wirtschaft; 5. Die Bildungskatastrophe; 6. Die Chance der Globalisierung; 7. Die Gegner der Globalisierung; 8. Die Spielregeln der Globalisierung; 9. Die Ethik des Erfolgs. Ausblick - Ein Konvent für Deutschland.
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3 | 2.2 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Hans-Olaf Henkel: Die Ethik des Erfolgs. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17667-die-ethik-des-erfolgs_20359, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20359
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M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
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