/ 21.06.2013
Tanja Kopp-Malek / Martin Koch / Alexandra Lindenthal
Die Europäische Kommission als lernende Organisation? Die Umsetzung des umweltpolitischen Integrationsprinzips in ausgewählten Generaldirektionen der Europäischen Kommission
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 179 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16121-1Mit der Betrachtung der Europäischen Kommission als lernende Organisation wenden sich die Autoren der internen Organisationsdynamik zu. Konkret wird der Implementationsprozess des seit 1973 existierenden umweltpolitischen Integrationsprinzips in ausgewählten Generaldirektionen nachgezeichnet und untersucht, ob bei dessen Umsetzung einerseits eine bestimmte Qualität festgestellt und andererseits von organisationalem Lernen gesprochen werden kann. Organisationales Lernen ist insofern wichtig, weil das umweltpolitische Integrationsprinzip quer zur jeweiligen thematischen Zuständigkeit der Generaldirektionen liegt. Im Fokus stehen dabei die Implementierung des Prinzips in den Bereichen der Unternehmens- und Tourismuspolitik sowie in der Energie- und Verkehrspolitik. Von Interesse ist zudem, wie die Generaldirektion Umwelt die Umsetzung in den entsprechenden anderen Generaldirektionen beeinflusst. Die Längsschnittstudie betrachtet strukturelle, inhaltliche sowie prozedurale Veränderungen und erhebt u. a. anhand von Experteninterviews innerhalb der Kommission Verhaltens-, Kommunikations- und Argumentationsmuster. Über die Zeit sind mehrere Reaktionsmuster in den Generaldirektionen zu beobachten: Ablehnen, Opponieren, Kompromiss, Anerkennen, Erdulden und Vermeiden. Vor allem seit den 90er-Jahren überwiegt die Kompromissfindung. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die faktische Einführung von Umweltreferaten nicht zwangsläufig zu einem Handeln im Sinne des formalen Zwecks führt. Vielmehr sind tradierte Sichtweisen innerhalb der Generaldirektionen beständiger und deshalb können organisatorische Veränderungen nur unterstützender Natur sein. Deutlich wird auch, dass kollektive Lernprozesse immer abhängig von spezifischen Kontextbedingungen sind und deren Erfolg bestimmen. Diese Ergebnisse eines von der DFG geförderten Forschungsprojekts richten sich vor allem an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Soziologie und der Politikwissenschaft.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 3.3 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Tanja Kopp-Malek / Martin Koch / Alexandra Lindenthal: Die Europäische Kommission als lernende Organisation? Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30075-die-europaeische-kommission-als-lernende-organisation_35652, veröffentlicht am 03.02.2009.
Buch-Nr.: 35652
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Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
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