/ 21.06.2013
Arndt Wonka
Die Europäische Kommission. Supranationale Bürokratie oder Agent der Mitgliedstaaten?
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Regieren in Europa 15); 236 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8329-3517-7Politikwiss. Diss. Mannheim; Gutachter: F. U. Pappi, W. C. Müller. – In der Literatur über die europäische Integration wird die Europäische Kommission häufig als monolithischer Akteur begriffen, welcher unabhängig von den Mitgliedstaaten agiert und die Europäische Integration vorantreibt. Wonka hinterfragt diese Annahme, indem er sich detailliert mit der Besetzung der Kommissare beschäftigt und den Charakter der internen Kommissionsentscheidung untersucht. Dazu entwickelt er basierend auf der Prinzipal-Agenten-Theorie Annahmen über die vertikale Dimension der Kommission. Darunter ist die Selektion der von den Mitgliedstaaten nominierten Kommissare zu verstehen. Mit der horizontalen Dimension nähert er sich dem Binnenverhältnis der Kommission und stellt fünf plausible und theoretisch fundierte Entscheidungsszenarien auf. Im Kern geht es dabei um das Verhältnis zwischen dem federführenden Kommissar und seinem Kollegium. Dabei ist die Frage interessant, inwieweit der federführende Kommissar seine Politikpräferenzen durchsetzen kann. Anhand der Auswertung der Lebensläufe aller ernannten Kommissare zwischen 1958 und 2007 zeigt der Autor, dass die parteipolitische Orientierung und die Karriere in den jeweiligen Mitgliedstaaten wichtige Einflussfaktoren auf die Ernennung sind. Diese enge Verknüpfung interpretiert er dahingehend, dass die Regierungen über die Kommissare durchaus versuchen, Einfluss auf die politischen Entscheidungen innerhalb der Kommission zu nehmen. Inwieweit einzelne Kommissare ihre Politik durchsetzen können, hängt wiederum entscheidend von den institutionellen Regeln ab. Der federführende Kommissar befindet sich zwar in einer privilegierten Position, aber die anderen Kommissare haben die institutionellen Mittel der Einflussnahme. Mittels des verwendeten Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Verfahren wird insgesamt eine interessante Analyse der Binnenperspektive auf die Europäische Kommission vorgenommen, die einen wichtigen Beitrag zur Forschung des europäischen Institutionengefüges leistet.
Stefanie John (SJ)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
Rubrizierung: 3.3
Empfohlene Zitierweise: Stefanie John, Rezension zu: Arndt Wonka: Die Europäische Kommission. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29505-die-europaeische-kommission_34931, veröffentlicht am 11.09.2008.
Buch-Nr.: 34931
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Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Fakultät für Sozialwissenschaften, Universität Bochum.
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