/ 19.06.2013
Tobias Schumacher
Die Europäische Union als internationaler Akteur im südlichen Mittelmeerraum. "Actor Capability" und EU-Mittelmeerpolitik
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2005 (Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 63); 470 S.; geb., 69,- €; ISBN 3-8329-1130-8Sozialwiss. Diss. Mainz. – Der Autor betrachtet die Akteursfähigkeit der Europäischen Union im Rahmen der Mittelmeerpolitik gegenüber den Anrainerstaaten in Nordafrika und dem Nahen Osten. Dabei berücksichtigt er historische Entwicklungen und politische Strategien seit 1958, legt den Schwerpunkt seiner Untersuchung aber auf den Zeitraum nach 1995, als die Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP) mit ihren drei auch als „Körben“ bezeichneten Kooperationsbereichen (politische und sicherheitspolitische Partnerschaft, wirtschaftliche und finanzielle Partnerschaft sowie soziale und kulturelle Partnerschaft) initiiert wurde. Methodisch stützt er sich bei der Untersuchung der bi- und multilateralen Beziehungen in politischen und ökonomischen sowie eingeschränkt in kulturellen Bereichen auf das Konzept der „Actor Capability“ und die 1977 von Sjöstedt entwickelten Kriterien für Handlungsfähigkeit, die verkürzt als Autonomie, strukturelle Requisiten sowie konkret feststellbares Akteurshandeln beschrieben werden können. Als Ergebnis attestiert Schumacher der EU-Mittelmeerpolitik – obwohl sie durch die Einführung der EMP eine symbolische Aufwertung erfahren hat - eine problematische „inhaltliche Überfrachtung“ (375). Trotz eines holistischen Ansatzes, der politische, wirtschaftliche und kulturelle Dimensionen auf multilateraler Ebene verknüpfe, werde diese Intensivierung von 1995 den Spezifika in den Drittländern des Mittelmeerraums nicht gerecht und zudem vor allem durch den ungelösten Nahost-Konflikt eingeschränkt. Ebenfalls behindernd wirke sich die Heterogenität der nationalstaatlichen Interessen innerhalb der EU aus. Für als notwendig beschriebene Reformen empfiehlt Schumacher daher eine Konzentration der Mittelmeerpolitik auf Politikfelder, in denen die Union auch über die „entsprechenden Kompetenzen bzw. notwendigen Akteursfähigkeiten“ (375) verfüge.
Steffen Heinzelmann (STH)
Politikwissenschaftler, M. A., Press Officer, Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. (IASS) Potsdam.
Rubrizierung: 3.6
Empfohlene Zitierweise: Steffen Heinzelmann, Rezension zu: Tobias Schumacher: Die Europäische Union als internationaler Akteur im südlichen Mittelmeerraum. Baden-Baden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21476-die-europaeische-union-als-internationaler-akteur-im-suedlichen-mittelmeerraum_27652, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27652
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Politikwissenschaftler, M. A., Press Officer, Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. (IASS) Potsdam.
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