/ 20.06.2013
Marcus Höreth / Cordula Janowski / Ludger Kühnhardt (Hrsg.)
Die Europäische Verfassung. Analyse und Bewertung ihrer Strukturentscheidungen
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2005 (Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 65); 301 S.; geb., 64,- €; ISBN 3-8329-1077-8Kommentare zu Verfassungstexten gelten im deutschsprachigen Raum als ausschließliches Monopol der Juristen. Nicht zuletzt darüber sichern sich Staatsrechtler ihre exklusive Deutungsmacht. Dabei enthalten jedoch gerade Verfassungsfragen unzählige historische, politische und ökonomische Aspekte, die ein interdisziplinär angelegtes Kommentieren einer Verfassung eigentlich unabdingbar machten. Wer sich so manchen Großkommentar zum Grundgesetz, vor allem aber die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts näher vor Augen führt, wird schnell bestätigt finden, wie viel Politologie und (Verfassungs-)Geschichtswissenschaft hierbei „heimlich“ am Werke sind. Dies vorausgeschickt, wird umso deutlicher, dass die Gruppe von 15 Wissenschaftlern am Zentrum für Europäische Integrationsforschung dieses „eherne Gesetz“ juristischer Deutungshoheit mit ihrem interdisziplinären Kommentar zur EU-Verfassung in bahnbrechender Weise durchbrochen hat. Es handelt sich jedoch nicht um einen Kommentar der gesamten Verfassung – so schnell wäre ein solches, dann auf mehrere Bände angelegtes Werk wohl nicht zu erstellen –, sondern um einen Teilkommentar zu den Artikeln 1-60 des grundlegenden, allgemeinen Teil I der EU-Verfassung. Die Kommentierung erfolgt nicht wie sonst üblich zu jedem einzelnen Artikel, sondern in summarisch-systematischer Weise anhand der einzelnen Titel I-IX. Dabei wird jeweils ein einführender „Problemaufriss“ vorangestellt und zum Schluss eine Bewertung vorgenommen, ergänzt um Literaturhinweise und Verweise auf wichtige Dokumente des Verfassungsprozesses. Mit dieser Form ist exemplarisch am Beispiel der EU-Verfassung etwas Neues und ein echter Mehrwert jenseits der engen juristischen Fachkommentierungen entstanden. Schon deshalb ist seine sukzessive Fortsetzung vor allem mit Blick auf die konkreteren Teile II (Grundrechtscharta) und III (Politikbereiche) wünschenswert – vorausgesetzt, der Verfassungstext wird auch wirklich verbindlich.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 3.2
Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Marcus Höreth / Cordula Janowski / Ludger Kühnhardt (Hrsg.): Die Europäische Verfassung. Baden-Baden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25444-die-europaeische-verfassung_29501, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29501
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Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
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