/ 20.06.2013
Richard Layard
Die glückliche Gesellschaft. Kurswechsel für Politik und Wirtschaft. Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005; 324 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-593-37663-6Obwohl „die Menschen im Westen seit Jahrzehnten immer reicher werden, sind sie keineswegs glücklicher geworden“ (13) schreibt Lord Layard. Mit diesem Zustand will er sich aber keineswegs abfinden. Vielmehr entwirft der Wirtschaftswissenschaftler, der als geistiger Vater der erfolgreichen Arbeitsmarktpolitik der Labour-Regierung gilt, „eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Vision eines glücklichen Lebens“ (9). Er fragt, welchen Einfluss wir als Gesellschaft darauf nehmen können, ob die Menschen glücklich sind, und was der Einzelne tun kann. Benannt werden sieben Glücksfaktoren, die zu beeinflussen sind: „unsere familiären Beziehungen, unsere finanzielle Lage, unsere Arbeit, unsere Umgebung und unsere Freunde, unsere Gesundheit, unsere persönliche Freiheit und unsere Lebensphilosophie“ (77). Auf dem Weg zum Glück fordert Layard eine Revolution der Wirtschaftswissenschaften, die stärker den Menschen in den Mittelpunkt stellen und von den Gesellschaftswissenschaften profitieren sollten. Er verweist darauf, dass die Globalisierung „keine Auswirkungen auf die Staatsausgaben oder die Arbeitsmarktpolitik“ (188) hat. Die europäischen Sozialstaaten bedürften auch ohne Globalisierung einer Reform. Er spricht sich gegen eine Aufweichung des Kündigungsschutzes aus, da so nicht mehr Arbeitsplätze geschaffen würden, für ein realistisches Verhältnis von Produktivität und Lohnniveau sowie dafür, Arbeitslose nur dann finanziell zu unterstützen, wenn sie auch tatsächlich Arbeit suchten. Layard kommt zu dem plausiblen und erfrischend ideologiefreien Ergebnis, dass die „gebetsmühlenartig eingeforderte ‚Flexibilisierung’ [...] wenig sinnvoll [ist], wenn wir Vollbeschäftigung und ein gutes Arbeitsklima wollen“ (194). Layards Lebensphilosophie auf dem Weg zum Glück speist sich aus Erkenntnissen der positiven Psychologie, aus moralischen Prinzipien und aus dem buddhistischen Gedanken der Achtsamkeit. Der Politik weist er die Pflicht zu, das Leid zu bekämpfen. Sie sollte die Welt freundlicher machen, statt Anleitungen für sozialen Unfrieden (Layard schreibt drastisch „für einen Bürgerkrieg“ [249]) – zu verteilen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Richard Layard: Die glückliche Gesellschaft. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23641-die-glueckliche-gesellschaft_27150, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27150
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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