/ 19.06.2013
Lothar Fritze
Die Tötung Unschuldiger. Ein Dogma auf dem Prüfstand
Berlin/New York: Walter de Gruyter 2004 (Ideen & Argumente); IX, 263 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 3-11-018148-7Fritze geht von dem Befund aus, dass in unserem moralischen Common Sense eine erklärungsbedürftige Asymmetrie besteht. Während einerseits moralische Fundamentalnormen wie das Tötungsverbot unbedingt anerkannt seien, lasse sich eine zunehmend auch politisch artikulierte Tendenz ausmachen, diese im Ausnahmefall zu suspendieren. Besonders prekär werde dieses Dilemma angesichts der Frage, ob die Tötung Unschuldiger zur Rettung anderer moralisch erlaubt sein kann. Fritze analysiert die konkrete Rechtspraxis der Bundesrepublik und die Urteile des moralischen Gemeinsinns im Spannungsfeld zwischen deontologischen Ethiken, die auf einem strikten Tötungsverbot beharren, und konsequentialistischen Ethiken, die Ausnahmebedingungen formulieren. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass ein striktes Tötungsverbot moralisch nur um den Preis aufrecht zu erhalten ist, mit der konkreten Wirklichkeit für inkompatibel erklärt zu werden. Seiner Meinung nach muss das Tabu der Tötung Unschuldiger aufgehoben werden, weil nur so der politische Diskurs versachlicht werden kann. Eine Fokussierung der Diskussion auf die Anwendungsbedingungen einer Ausnahme vom Tötungsverbot würde Fritze zufolge zu einer faktischen Begrenzung der Inanspruchnahme dieses Ausnahmerechts führen. Auch würden nicht länger abstrakte und unvereinbare philosophische Prinzipien die Auseinandersetzung prägen, sondern die konkrete Frage, wie eine Ausnahmeregelung gerechtfertigt werden kann.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.44
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Lothar Fritze: Die Tötung Unschuldiger. Berlin/New York: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21382-die-toetung-unschuldiger_24954, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24954
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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