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/ 20.06.2013
Bettina Thalmaier

Die zukünftige Gestalt der Europäischen Union. Integrationstheoretische Hintergründe und Perspektiven einer Reform

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2005 (Münchner Beiträge zur Europäischen Einigung 11); 475 S.; brosch., 69,- €; ISBN 3-8329-1338-6
Diss. München. – Über die Finalität der europäischen Integration zu diskutieren, scheint an den derzeitigen Problemen der Verfassungskrise vollends vorbeizugehen. Wie notwendig eine Analyse der Perspektiven des Einigungsprojektes für die Meisterung der aktuellen Malaise ist, zeigt hingegen die Studie von Thalheimer. Sie bietet einen umsichtigen Überblick über die Reformdebatte der vergangenen fünfzehn Jahre und nimmt aufschlussreiche Zuordnungen zu den theoretischen Debatten der Sozial- und Rechtswissenschaften vor. Im ersten Kapitel diskutiert sie die Kontroverse über die Reformbedürftigkeit der EU. Dabei wird deutlich, dass der Vielstimmigkeit unterschiedliche theoretische Konzepte zugrunde liegen, die nur selten offen gelegt werden. Im zweiten Kapitel wird deshalb zunächst analysiert, welche Sichtweisen die klassischen Paradigmen des Föderalismus, des Funktionalismus und des Intergouvernementalismus zur Finalitätsfrage haben. Thalheimer hält alle drei nicht für überzeugend, weil sie einzelne Aspekte überbetonen, andere aber vernachlässigen. Als Ausweg aus dieser Lage schlägt sie die Anknüpfung an das inhaltlich offenere Paradigma der „new governance“ vor, da dieses am ehesten geeignet sei, den nicht-staatlichen Charakter des Regierens in der EU zu erfassen. Die EU sei eben weder Bundesstaat noch Staatenbund, sondern könne am treffendsten als eine mehrere Ebenen übergreifende „supranationale Union“ bezeichnet werden. Politische Positionen zur Finalität dieser Union seien, daran zu messen, ob sie den drei Dimensionen der Legitimität gerecht werden: Partizipation und Transparenz (input), Effizienz und Effektivität (output) sowie der Ebene der Identität. Im vierten Kapitel prüft sie die Vorschläge der Reformdebatte und entwickelt schließlich ihre Position. Dabei soll ein „mehrdimensionales Legitimitätskonzept“ verfolgt werden. Im Einzelnen schlägt Thalheimer eine Stärkung der Identität durch Verfassungsgebung und Institutionalisierung, eine Erhöhung der Input-Legitimität durch eine Direktwahl des Kommissionspräsidenten und des Parlaments sowie eine bessere Output-Legitimität durch eine Erneuerung der Kompetenzordnung vor.
Wilhelm Knelangen (WK)
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 3.1 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Knelangen, Rezension zu: Bettina Thalmaier: Die zukünftige Gestalt der Europäischen Union. Baden-Baden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24304-die-zukuenftige-gestalt-der-europaeischen-union_28010, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28010 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA