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/ 05.06.2013
Hanns Jürgen Küsters / Daniel Hofmann (Bearb.)

Dokumente zur Deutschlandpolitik. Deutsche Einheit. Sonderedition aus den Akten des Bundeskanzleramtes 1989/90

München: R. Oldenbourg Verlag 1998; 1.667 S.; brosch., 68,- DM; ISBN 3-486-56360-2
Mit der außergewöhnlichen Öffnung der Archive des Bundeskanzleramtes vor Ablauf der regulären Frist für Regierungsakten stellt diese Edition bei allen Problemen und Bedenken in der Tat einen "Meilenstein in der Entwicklung der historischen Forschung" (9) dar. Die Akten konnten umfassend gesichtet werden; in Einzelfällen wurden Verschlußsachen herabgestuft, um sie publizieren zu können. Nur an einigen wenigen Stellen sind deutlich gekennzeichnete Auslassungen von weiterhin für die Politik der Bundesrepublik sensiblen Informationen vorgenommen worden. Ebenso mußte der Schutz noch lebender Persönlichkeiten der Zeitgeschichte durch die Weglassung einzelner Passagen gewahrt werden. Die 430 Dokumente sind chronologisch nach dem Ereignis, das sie widerspiegeln, angeordnet. Die Dokumentation setzt Ende Mai 1989 mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten ein und endet im Oktober 1990 mit der Inkraftsetzung des Einigungsvertrages. Die umfangreiche Einleitung von Küsters (23-236) stellt den Gesamtzusammenhang der Akten mit jeweiligem Verweis auf das relevante Dokument dar. Seine Schilderung der Vorgänge von 1989/90 ließe sich aber auch als eigenständige Skizze zu den Phasen und Themen der Deutschlandpolitik in diesen Jahren lesen. Im Dokumententeil findet sich eine Vielzahl unterschiedlicher Textsorten mit je unterschiedlichem Sprach- und Argumentationsstil wie etwa Ergebnisprotokolle von Verhandlungen, Zusammenfassungen von Telefonaten, Vorarbeiten zu Redemanuskripten, persönliche Briefwechsel und zahlreiche Gesprächsprotokolle. Dabei sind nicht nur die Briefe des Kanzlers an die wichtigen Akteure (Bush, Gorbatschow, Mitterrand, Thatcher etc.) abgedruckt, sondern auch deren Antworten und Kontaktaufnahmen. Neben den Hauptakteuren sind auch die kleineren Nachbarländer oder beispielsweise der Briefwechsel mit Jitzhak Shamir aus dem Dezember 1989 berücksichtigt. Überaus deutlich illustrieren die Dokumente die Bedeutung der "Verwaltung" für die konkrete Ausgestaltung von Politik. Zahlreiche Vorarbeiten, Formulierungsentwürfe und Verhandlungskonzepte unterstreichen die politische Relevanz der "administrativen" Zuarbeit. Der im Anhang wiedergegebene Organisationsplan des Bundeskanzleramtes ist unerläßlich zum näheren Verständnis der Deutschlandpolitik 1989/90, die nicht nur in der alltäglichen Umsetzung oftmals entscheidend von der "zweiten Ebene" geprägt wurde. Symptomatisch sind hier Art und Anzahl der Vorlagen von Horst Teltschik. Die vorbildliche Edition mit einer möglichst authentischen Aufarbeitung der Dokumente bis hin zu den typographischen Unterschieden und handschriftlichen Ergänzungen verfügt über Fußnotenkommentare, ein biographisches Verzeichnis sowie ein ausführliches Sach- und Personenregister. Hinzu kommen einige Faksimiles ausgewählter Dokumente - vom Redemanuskript Kohls mit seinen handschriftlichen Anmerkungen bis zur Unterschriftenliste der ausreisewilligen Flüchtlinge in der Ständigen Vertretung.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.3222.3132.3 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Hanns Jürgen Küsters / Daniel Hofmann (Bearb.): Dokumente zur Deutschlandpolitik. München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7067-dokumente-zur-deutschlandpolitik_9455, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9455 Rezension drucken
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