/ 22.06.2013
Christoph Demmke / Timo Moilanen
Effectiveness of Public-Service Ethics and Good Governance in the Central Administration of the EU-27. Evaluating Reform Outcomes in the Context of the Financial Crisis
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2012; VIII, 181 S.; geb., 34,95 €; ISBN 978-3-631-63288-8Wie die neuere Forschung zu Good Governance (GG) und New Public Management (NPM) zeigt, geht der wissenschaftliche Trend von einem minimalistischen in Richtung eines maximalistischen Konzepts von ethischer Politik. Obgleich theoretische Überlegungen hierzu existieren und auch in vielen EU‑Mitgliedstaaten ethisch angemessene Politik mithilfe von Regeln und Kontrollinstitutionen durchgesetzt werden soll, existieren kaum kritische Reflexionen über das maximalistische GG‑Konzept und auch nur bedingt brauchbare empirische Studien zur Effektivität von ethischer Governance. Christoph Demmke und Timo Moilanen legen trotz der von ihnen reflektierten Tatsache, dass ethisches Verhalten nur bedingt durch Variablen und Daten erfasst werden kann, eine empirische Studie vor, in der sie einerseits die existierenden ethischen Policies auf zentraler administrativer Ebene auf ihre Effektivität hin prüfen und andererseits die Güte der theoretischen Konzepte sowie die Erwartungen der Wissenschaft an GG und NPM kritisch beleuchten. In der Untersuchung zeigt sich vorrangig, dass die Implementierung ethischer Policies einer einfachen Logik folgt: Je größer die mediale und öffentliche Prüfung ist, desto häufiger werden politische Skandale und Interessenkonflikte aufgedeckt, weswegen das Fehlen von Kontrolle, gesetzlichen Regelungen und Monitoring beklagt wird. Der verständliche Ruf nach mehr Standards sei jedoch ein eher einfacher Reflex auf eine komplexe Herausforderung. Denn die Reglementierung sei gerade mit Blick auf prozedurale Herausforderungen, die politische Machtkonstellation, die Macht der Medien und viele andere Momente nicht immer in einer effektiven Weise möglich und könne der Politik nur bedingt vorgeworfen werden. Diese Tatsache müsse auch die Wissenschaft reflektieren und in ihre Analysen aufnehmen. Trotz der Komplexität des Themas ordnen die Autoren die von den EU‑Mitgliedstaaten eingeführten ethischen Policies und Instrumente, die insgesamt eher schwach institutionalisiert sind. Die zentralisiertesten und in institutionelle Strukturen am besten integrierten Ethikprogramme fanden die Autoren in Großbritannien (Committee on Standard of Public Life), Lettland (KNAB) und den Niederlanden (BIOS).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 3.1
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Christoph Demmke / Timo Moilanen: Effectiveness of Public-Service Ethics and Good Governance in the Central Administration of the EU-27. Frankfurt a. M. u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35698-effectiveness-of-public-service-ethics-and-good-governance-in-the-central-administration-of-the-eu-27_43109, veröffentlicht am 28.02.2013.
Buch-Nr.: 43109
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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