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/ 04.06.2013
Friedbert Pflüger

Ehrenwort. Das System Kohl und der Neubeginn

Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2000; 240 S.; geb., 36,- DM; ISBN 3-421-05396-0
Pflügers Buch geht auf eine Anfrage der Deutschen Verlags-Anstalt zurück, die vor dem Hintergrund des CDU-Spendenskandals an den ehemaligen RCDS-Vorsitzenden, Mitarbeiter Richard von Weizsäckers und jetzigen Bundestagsabgeordneten herantrat, um seine Sicht der Dinge in Buchform zu bringen. Es handelt sich aber nicht um ein "Tagebuch" des Spendenskandals, sondern das Buch ist in vier verschiedene Kapitel mit jeweils eigener Materie und eigenem Anspruch geteilt: Zunächst arbeitet Pflüger aufgrund seiner Erfahrungen mit Helmut Kohl anhand mehr oder minder anekdotischer Begebenheiten aus seiner Karriere einige "Lehrsätze" zur Funktionsweise des Systems Kohl heraus. Dabei zeigt Pflüger auch die Ambivalenz seines Verhältnisses zu Kohl vom euphorischen "Für den werden wir durchs Feuer gehen!" (17) aus dem Jahre 1975 über die zeitweilige Aufkündigung des engeren Kontaktes, nachdem er sich für eine Stelle bei von Weizsäcker und nicht bei Kohl entscheidet. Dem folgen die Etappen der handfesten Auseinandersetzung um die Bundespräsidenten-Kandidatur Steffen Heitmanns und schließlich das gemischte Bild der Bewunderung des europäischen Staatsmanns Kohl und des Unverständnisses über den "Demokrator" (69) Kohl, der innerparteiliche Diskussionen erdrückt habe: "Spätestens nachdem er Konrad Adenauers Amtszeit überboten hatte, hob er völlig ab." (63) Dies sei jedoch nicht zuletzt auch von den Mitgliedern der Partei zugelassen worden. In einem zweiten Kapitel schildert Pflüger dann die Innenansichten eines Beteiligten in den Monaten des Spendenskandals vom Winter 1999/200. Deutlich wird der Schock und die Enttäuschung über viele Ereignisse und innerparteilich aufbrechende Konfliktlinien. Gleichwohl lässt Pflüger sich auch unter dem Eindruck dieser Ereignisse weder zu einem rein negativen Urteil über Kohl noch zu einer Aufgabe seiner Überzeugung von der Notwendigkeit privater Spenden für die Parteiarbeit hinreißen. Dieses Kapitel leitet dann über zu einer Auseinandersetzung Pflügers mit eher allgemeiner, gängiger Kritik an der Politik in der Bundesrepublik. Nicht zuletzt durch einen hohen Anspruch an Offenheit und Authentizität bei der Schilderung seiner eigenen Motivation und Tätigkeit in der Politik verteidigt er insbesondere die Funktion des Abgeordneten. Hier entwirft er die Agenda einer einzusetzenden Erneuerungskommission, die Maßnahmen nicht nur zur Reaktivierung der CDU, sondern zur Runderneuerung der Gesamtheit der politischen Institutionen in der Bundesrepublik ausarbeiten könne.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.3312.3152.32 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Friedbert Pflüger: Ehrenwort. Stuttgart/München: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4690-ehrenwort_14169, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14169 Rezension drucken
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