/ 17.06.2013
Ingo Pies
Eucken und von Hayek im Vergleich. Zur Aktualisierung der ordnungspolitischen Konzeption
Tübingen: Mohr Siebeck 2001; X, 254 S.; brosch., 50,11 €; ISBN 3-16-147636-0Der Autor bezweckt eine "Re-Aktualisierung" der ordnungspolitischen Positionen von Eucken und von Hayek: "Die Klassiker ernstzunehmen bedeutet, ihre Problemstellung und Problemlösung zu rekonstruieren, um [...] die Art der Problembearbeitung für heutige Probleme fruchtbar zu machen." (1) In den ersten beiden Kapiteln werden zunächst die Positionen von Eucken und von Hayek nachvollzogen, wobei ein besonderes Augenmerk auf ihre Entwicklung gelegt wird. So zeigt Pies ausführlich, wie Walter Eucken seine Position schrittweise aus der Auseinandersetzung mit der Kulturkritik seines Vaters Rudolf Eucken gewonnen und aus dessen Lebensphilosophie die Frage nach der Gestaltung der Wirtschaftsordnung entwickelt hat (siehe z. B. 18). Im dritten Kapitel werden die Gemeinsamkeiten der beiden Positionen behandelt: Eucken und von Hayek streben nach einer Überwindung des ideologischen Streits um den Primat von Freiheit oder sozialer Gerechtigkeit; sie "de(kon)struieren [...] die Vorstellung eines Werte-trade-offs" (130) und zeigen, dass beide Werte sich nur gemeinsam verwirklichen lassen. Ähnlich wird der Gegensatz von Markt und Staat aufgelöst: Eucken und von Hayek lehnen beide sowohl den Laisser-faire-Liberalismus als auch die Zentralverwaltungswirtschaft ab; sie plädieren für eine Aufgabenteilung, bei der der Staat die Regeln setzt und als Schiedsrichter deren Einhaltung überwacht, während die Gestaltung der "Spielzüge" den Privaten überlassen bleibt. Dieser ordnungspolitische Ansatz wird im vierten und letzten Kapitel "aktualisiert" (139), wobei Pies zeigt, dass die von Karl Homann und ihm vertretene Institutionenökonomik und Wirtschaftsethik die konsequente Weiterentwicklung von Eucken und von Hayek darstellt. Der Grundgedanke dieser Weiterentwicklung besteht darin, politische Konflikte nicht durch (subjektive) Wertungen zu lösen, sondern durch eine Analyse der konfligierenden Interessen und durch das Aufzeigen der Möglichkeit von Verhandlungslösungen, bei denen alle beteiligten Parteien besser gestellt werden.
Die Interpretation Euckens und von Hayeks ist ein interessanter Beitrag zur Ordnungspolitik, aber im Ergebnis vor allem in Bezug auf Euckens Politikverständnis problematisch: Pies will das Verhaltensmodell des "homo oeconomicus" konsequent auch auf die Gestaltung des politischen Ordnungsrahmens anwenden; Eucken dagegen hält die Egoismusannahme der Ökonomie zwar für angemessen, wenn es um die Analyse von Marktprozessen geht, nicht aber bei der Frage nach der Gestaltung der politischen Ordnung: "eine brauchbare Ordnung" wird kaum entstehen, wenn "niemand das Gesamtinteresse sucht, niemand also die ordnungspolitische Aufgabe ergreift" (Walter Eucken, Grundsätze der Wirtschaftspolitik, Tübingen 1990 [367]). Im Unterschied zu Pies geht Eucken davon aus, dass die politische Ordnung nur funktionsfähig ist, wenn zumindest im Bereich der Politik der Egoismus aus intrinsischen Motiven begrenzt wird; Euckens Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft steht damit - gegen Pies - für die Begrenzung der Ökonomie und für die Betonung des Primats der Politik.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.45 | 2.262
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Ingo Pies: Eucken und von Hayek im Vergleich. Tübingen: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16056-eucken-und-von-hayek-im-vergleich_18399, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18399
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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