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/ 21.06.2013
Christof Mandry

Europa als Wertegemeinschaft. Eine theologisch-ethische Studie zum politischen Selbstverständnis der Europäischen Union

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Denkart Europa 9); 269 S.; 34,- €; ISBN 978-3-8329-4615-9
Theolog. Habilitationsschrift Erfurt; Gutachter: J. Römelt, J. Manemann. – Mandry konzentriert sich auf die begriffliche und ethische Klärung der Idee der „Wertegemeinschaft“ und fragt, was Europa als politisches Projekt ausmacht, was die Gemeinschaft über den gemeinsamen Markt hinaus verbindet und was Grundlage der europäischen Zusammengehörigkeit ist. Der Begriff der Wertegemeinschaft stehe, so Mandry, für eine „kollektive Verständigung über das ‚gemeinsame Gute’, [für das] Ideal des ‚guten’ politischen Gemeinwesens“ (18). Damit werde „das ‚Ethos’“ (99) der EU beschrieben. Dies führe weiter zur Frage „nach der ‚guten Regierung’“ (231), nach Idealen und Wertvorstellungen, die für die Institutionen und politischen Ziele orientierend wirken. In diesem Zusammenhang spricht er von der Strebensethik. Die Suche der EU nach der Wertegemeinschaft sei als „eine Station im Prozess des Findens einer politischen Identität zu sehen“ (189). Der Diskurs über die EU als Wertegemeinschaft und deren Festschreibung im Verfassungsvertrag sei als ein Versuch der politischen Gemeinschaft zu verstehen, „sich ihres politischen Charakters explizit bewusst zu werden und ihn dadurch zu artikulieren, dass eine Selbstbindung an die politischen Grundsätze in Form von Werten vorgenommen wird“ (189). Die Werte wurzeln gleichzeitig in geschichtlichen Erfahrungen, die als gemeinsame angenommen werden, und sie gründen in weltanschaulichen und religiösen Traditionen und Überzeugungen, die als plural vorausgesetzt werden, so Mandry. Drei Typen identifiziert er: die kulturellen Werte, die politisch-inhaltlichen Werte des Verfassungsvertrags – wie die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit oder der Menschenrechte – sowie die Werte, die sich selbst auf den Umgang mit Werten beziehen. Letztere bezeichnet er als „Metawerte“ (193), etwa die Nichtdiskriminierung und die Toleranz. Die politische Identifikation richte sich auf Werte aller drei Ebenen. Insgesamt bietet Mandry eine tiefgehende Analyse sowie eine ethische Einordnung und Bewertung des schillernden Begriffs der „Wertegemeinschaft“.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.13.2 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Christof Mandry: Europa als Wertegemeinschaft. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31529-europa-als-wertegemeinschaft_37539, veröffentlicht am 23.03.2010. Buch-Nr.: 37539 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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