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/ 21.06.2013
Bernd Bühlbäcker

Europa im Aufbruch. Personal und Personalpolitik deutscher Parteien und Verbände in der Montanunion 1949-1958

Essen: Klartext 2007 (Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen. Schriftenreihe A: Darstellungen 38); 405 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-89861-790-1
Geschichtswiss. Diss. Duisburg-Essen; Gutachter: W. Loth, P. Alter. – Obwohl der Schuman-Plan und die aus ihm resultierende Montanunion intensiv erforschte Bereiche der Geschichte der europäischen Integration sind, gibt es nur wenige Untersuchungen zum Wirken der einzelnen Personen. Doch wer waren diese Politiker, Verbandsvertreter und Industrielle, die zumeist nicht zur „politischen Prominenz“ (12) der 50er-Jahre gerechnet werden und trotzdem die europäischen Integrationsbemühungen mitprägten? Bühlbäcker widmet sich Persönlichkeiten aus der sogenannten zweiten Reihe der frühen europäischen Integrationsgeschichte. Im Mittelpunkt stehen jeweils drei Vertreter der CDU, der SPD und des DGB, die für die Bundesrepublik am Aufbau der ersten supranationalen Behörde mitgewirkt und diese geprägt haben. Den zeitlichen Rahmen der Untersuchung bildet die Debatte über den Schuman-Plan zu Beginn der 50er-Jahre bis zum Ende der EGKS-Phase unter der Präsidentschaft Monnets. Der Leser wird nicht nur über die Aktivitäten der verbands- und parteipolitischen Aktivitäten der Europaexperten informiert, sondern erfährt viel über die Historie der europäischen Integration. So berichtet der Autor ausführlich über die gewerkschaftliche Europapolitik in jener Phase und die teilweise divergenten Vorstellungen von SPD und DGB. Ein Kapitel ist der Einstellung der Sozialdemokraten zum Schuman-Plan gewidmet. Thematisiert wird auch die christdemokratische Europapolitik, dargestellt werden die Diskussionen in den Parteigliederungen, in denen insbesondere der wirtschaftsliberale Flügel der CDU eine bedeutende Rolle spielte. Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung im Rahmen der sogenannten Schuman-Plan-Propaganda bis zur Ratifizierung des Vertrages 1952 wird analysiert. Die grundsätzliche Bedeutung dieser Experten für die Anfangsphase der europäischen Integration liege darin – so das Fazit –, dass sie aufgrund ihrer Positionen in den Parteien und in der Gewerkschaft „nicht unerheblich einer breiteren Öffentlichkeit den Gedanken der europäischen Einigung nahe brachten“ (356).
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.1 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Bernd Bühlbäcker: Europa im Aufbruch. Essen: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28260-europa-im-aufbruch_33252, veröffentlicht am 04.06.2008. Buch-Nr.: 33252 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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