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/ 21.06.2013
Maurizio Bach

Europa ohne Gesellschaft. Politische Soziologie der Europäischen Integration

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008 (Neue Bibliothek der Sozialwissenschaften); 207 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-14728-4
Die europäische Integration wird in der Politikwissenschaft vornehmlich als Projekt des supranationalen Institutionenaufbaus verstanden. Da sie jedoch parallel auch die gesellschaftliche Inklusionskraft der europäischen Nationalstaaten unterminiert, sollten Studien der EU, so die These des Autors, auch in Absenz einer „europäischen Gesellschaft“ um makrosoziologische Analysen ergänzt werden. Bach hat dazu in der jüngeren Vergangenheit gewichtige Beiträge vorgelegt, die für diesen Band überarbeitet, durch neue Texte ergänzt und in einen konzeptionellen Rahmen eingebettet wurden. Ziel ist es, einen Überblick über die soziologisch inspirierte EU-Integrationsliteratur zu vermitteln und dieser ein theoretisch stringentes Fundament zu geben. Zu diesem Zweck entwickelt der Autor ein primär von Weber und Lepsius entlehntes Institutionenverständnis, das er im Anschluss auf gesellschaftlich relevante Kerndiskurse der Integrationsforschung anwendet, so etwa die Frage der demokratischen Legitimität der EU, die europäische Bürokratie, Fragen der Territorialität und sozialer Ungleichheit. Die hochinstruktiven Kapitel verbleiben auf einer abstrakten theoretischen Ebene, die weitgehend ohne empirische Belege auskommt, und demonstrieren anschaulich die Anwendungsbreite der soziologischen Perspektive. Dem Leser erschließt sich jedoch nicht immer, inwiefern Fragen aufgeworfen und Erkenntnisse produziert wurden, die sich von denen anderer Disziplinen unterscheiden. Der Band hätte hier zweifellos von einer systematischeren Diskussion alternativer Ansätze profitiert. Dem Buch fehlt leider eine klare Struktur, was am recht unterschiedlichen Entstehungskontext der einzelnen Kapitel liegen mag, die vom konzeptionellen Rahmen nur lose zusammengehalten werden. Dies wird insbesondere im zusammenfassenden Schlusskapitel deutlich, welches eine Vielzahl von Allgemeinplätzen reproduziert, den Leser jedoch ratlos zurücklässt im Hinblick auf zukünftige Forschungsfragen und -prioritäten in der Integrationsforschung.
Oliver Fritsch (OF)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, National Environmental Research Institute, Universität Aarhus/Dänemark.
Rubrizierung: 3.13.3 Empfohlene Zitierweise: Oliver Fritsch, Rezension zu: Maurizio Bach: Europa ohne Gesellschaft. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30057-europa-ohne-gesellschaft_35633, veröffentlicht am 23.04.2009. Buch-Nr.: 35633 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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