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/ 22.06.2013
Pim den Boer / Heinz Duchhardt / Georg Kreis / Wolfgang Schmale (Hrsg.)

Europäische Erinnerungsorte 3. Europa und die Welt

München: Oldenbourg Verlag 2012; 290 S.; geb., 39,80 €; ISBN 978-3-486-70822-6
Mit dem abschließenden dritten Band wird das Großprojekt „Europäische Erinnerungsorte“ (siehe auch Buch-Nr. 41431 und 41432) um eine wichtige Perspektive erweitert. Untersucht wird die Rückkehr und Wiederaufnahme europäischen Denkens und europäischer Kultur in einer modifizierten Form, entstanden durch Anwendung und Umformung europäischer Einflüsse in anderen Erdteilen. Wie die Herausgeber selbst vermerken, wäre die Aufnahme weiterer Lemmata möglich gewesen; die getroffene Auswahl zeigt aber wichtige Tendenzen der gegenwärtigen kulturwissenschaftlich geprägten historischen Forschung (und nicht nur dieser) auf. Zwei kürzere erste Abschnitte widmen sich „Grundbegriffe[n] jeder Beschäftigung mit den europäisch-außereuropäischen Beziehungen“ und „Konzepte[n] ihrer Erforschung“ (7) wie Globalisierung, Rassismus und Postkolonialismus. Wolfgang Reinhard untersucht das Paradigma der Expansion als eine Vielfalt von Erinnerungsorten, die in unterschiedlichen Räumen unterschiedliche Rezeption erfahren. Deutlich wird, dass sich Europa im weltweiten Blick kontinuierlich durch Expansion konstituiert hat, wobei sich die angenommene sozio-ökonomische Abhängigkeit Außereuropas vielfach eher als mentale erweist. Im Zusammenhang damit analysiert Birgit Schäbler den Orientalismus-Begriff als Chiffre für die kulturelle Hegemonie Europas. Ein umfassender dritter Abschnitt versammelt vor dem Hintergrund der einleitend betrachteten Konzepte dann fast 30 Fallstudien. Giancarlo Collet zeigt darin, dass die Expansion eng mit christlicher Mission verbunden war. In der katholischen Theologie der Befreiung etwa wirkten aus den ehemaligen Missionsländern später neue eigene Impulse auf das europäische Kirchenleben zurück und wurden dort eher kritisch aufgenommen. Im Gegensatz zu den zahlreichen hegemonialen Konzepten kann der Völkerbund der Zwischenkriegszeit nach Ansicht von Madeleine Herren als Beispiel gelten für „ein globales Europa, dessen Haltung zur Welt vom Modus des Imperialismus zu einem Ansatz globaler Kooperation gewechselt hatte“ (279).
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.612.23 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Pim den Boer / Heinz Duchhardt / Georg Kreis / Wolfgang Schmale (Hrsg.): Europäische Erinnerungsorte 3. München: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35163-europaeische-erinnerungsorte-3_42335, veröffentlicht am 26.07.2012. Buch-Nr.: 42335 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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