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/ 20.03.2014
Astrid Kufer

Europäische Wertegemeinschaft? Eine empirische Untersuchung gesellschaftlicher Werte in 27 EU-Staaten auf Basis sozialgeschichtlicher Analysen und aktueller Umfragedaten

Berlin: Lit 2013 (Europäisierung 11); XIII, 206 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-643-12224-7
Politikwiss. Diss. Stuttgart; Begutachtung: D. Fuchs. – Gibt es eine europäische Wertegemeinschaft? Besonders angesichts der Währungskrisen, die den Zusammenhalt der Europäischen Union auf die Probe stellen, rückt diese Frage vermehrt ins allgemeine Interesse. Astrid Kufer sucht in ihrer Dissertation „überzeugende Argumente für die Existenz der häufig zitierten ‚Europäischen Wertgemeinschaft‘“ (2). Dabei geht sie von einem wechselseitigen Einfluss von „Werten für Kollektive als Ganzes sowie jedes einzelne ihrer Mitglieder“ (24) aus. Im Mittelpunkt ihrer sozialgeschichtlichen Untersuchung sowie der statistisch‑empirischen Analyse der Werteeinstellungen stehen Familie, Kirche, Wirtschaftsordnung sowie Staat und Demokratie. Auch wenn alle EU‑Mitgliedstaaten formal demokratische Verfassungen verabschiedet haben, sind in einzelnen Ländern Einschränkungen der Presse‑ und Meinungsfreiheit, Korruption, die Diskriminierung ethnischer Minderheiten und eine allgemeine „Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung“ (74) zu beobachten. Die Autorin sieht darin die Gefahr einer Schwächung demokratischer Leitbilder. Kufers empirische Analyse, basierend auf den Umfragedaten der European Values Study, unterstützt diese Einschätzung teilweise. Im Bereich der politischen Kultur lässt sich zwar eine allgemeine breite Unterstützung demokratischer Prinzipien nachweisen; ebenso ist jedoch die Befürwortung eines „starken Führer[s] […], der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss“ (190), in einzelnen Ländern auffällig. Insbesondere in Bulgarien und Rumänien weichen die Einstellungen zu Politik und Demokratie vom Rest Europas ab. Auch in den anderen Bereichen zeigen sich im Detail interessante Ergebnisse, die vielfältige Rückschlüsse auf die Erfolgsaussichten gemeinsamer EU‑Politiken ermöglichen. „Je stärker und unmittelbarer die individuelle Lebenswelt betroffen ist, desto stärker, so scheint es, widerstehen Wertepräferenzen politisch initialisiertem und ökonomisch bedingtem Wandel“, lautet Kufers Fazit. Europa könne „bestenfalls in Teilbereichen seinen selbstgewählten Anspruch einer Wertgemeinschaft erfüllen“ (186).
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 3.42.232.352.61 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Astrid Kufer: Europäische Wertegemeinschaft? Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36884-europaeische-wertegemeinschaft_45102, veröffentlicht am 20.03.2014. Buch-Nr.: 45102 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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