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/ 10.12.2015
Tanja Zimmermann / Aleksandar Jakir (Hrsg.)

Europe and the Balkans. Dacades of "Europeanization"?

Würzburg: Königshausen & Neumann 2015; 247 S.; 39,80 €; ISBN 978-3-8260-5109-8
Das Konzept der Europäisierung – verstanden als eine Anpassung an von der Europäischen Union gesetzte formelle und informelle Standards in allen staatlichen und gesellschaftlichen Sphären – hat sich in den vergangenen Jahren zu einer weit verbreiteten Analysekategorie entwickelt. Sie wird vor allem auf die jüngeren und potenziellen Mitgliedstaaten der EU angewandt. In diesem Kontext sind unter anderem die Staaten der (West‑)Balkanregion von Interesse, deren Beziehungen zur Union sich seit dem Zerfall Jugoslawiens sehr unterschiedlich entwickelt haben (siehe Buch‑Nr. 39541, 36846). Das Ziel der Autor_innen dieses Sammelbandes ist es, den Stand und die Perspektiven dieser Beziehungen nach 25 Jahren unter kulturwissenschaftlichen Fragestellungen zu evaluieren – verbunden mit zahlreichen historischen Rückbezügen. Die Beiträge gehen zurück auf eine Tagung im kroatischen Supetar im Mai 2012. Sie sind in dem an der Universität Konstanz angesiedelten interdisziplinären DAAD‑Themennetzwerk „Media and Memoria in South‑East Europe“ verortet, das sich mit (trans)nationalen Erinnerungskulturen in der Region beschäftigt. Entsprechend werden Einblicke in politische und kulturelle Europa‑ und Balkan‑Diskurse in Geschichte und Gegenwart geboten, wobei innere und äußere Wahrnehmungen kontrastiert werden. Wiederholt zeigen die Autor_innen widerstreitende Positionen in den betroffenen Ländern auf – Europäisierung kann sowohl positiv als auch negativ aufgefasst werden. Angesichts der noch immer nicht überwundenen Wirtschaftskrise in der Region kommt es hier bisweilen zu extremen Polarisierungen, wie etwa Alexandra Ioannidou am Beispiel Griechenlands beobachtet. Die mit dem Begriff Balkan verbundenen, gerade im westlichen Europa verbreiteten Stereotype werden auch in einem inneren Diskurs tradiert, der wiederum der Abgrenzung nach Osten beziehungsweise Südosten dient – Länder wie Slowenien und Kroatien betonen ihre traditionelle Zugehörigkeit zu ‚Europa‘, die für andere Ländern der Region negiert beziehungsweise relativiert wird. Die Deutung der Vergangenheit erweist sich so weiterhin als stark von nationalen Narrativen geprägt: Die Auswirkungen der Jugoslawienkriege der 1990er‑Jahre auf die nationalen Identitäten bleiben signifikant.
{MUN}
Rubrizierung: 2.612.233.1 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Tanja Zimmermann / Aleksandar Jakir (Hrsg.): Europe and the Balkans. Würzburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39166-europe-and-the-balkans_43981, veröffentlicht am 10.12.2015. Buch-Nr.: 43981 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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