/ 11.06.2013
Elke Schüller / Kerstin Wolff
Fini Pfannes (1894-1967) Protagonistin und Paradiesvogel der Nachkriegsfrauenbewegung. Hrsg. vom Deutschen Hausfrauen-Bund Landesverband Hessen e. V.
Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2000; 283 S.; hardc., 39,90 DM; ISBN 3-89741-032-XDas flüssig geschriebene, leicht lesbare Buch, entstanden als Auftragsarbeit der Fini Pfannes-Stiftung und der Helga-Brenn-Stiftung, zeichnet das Leben der heute weitgehend unbekannten Josefine (Fini) Pfannes nach, die eine der populärsten Frauen der Nachkriegszeit war und unter anderem den Deutschen Hausfrauen-Bund mit gegründet und darin in verschiedene leitende Positionen eingenommen hat, und die außerdem in zahlreichen hauswirtschaftlichen Ausschüssen Einfluss genommen hat und verschiedene Ministerien beriet. Fini Pfannes, 1894 in Rumänien geborenen, verliebte sich während der deutschen Besatzung in einen deutschen Soldaten, den sie 1920 heiratete. In Frankfurt a. M. war sie durch Ihre Kochvorführungen, die sie als Werbeleiterin der Main-Gaswerke durchführte, durch Vorträge, Kochbücher und von ihr mit eingerichtete Ernährungsberatungsstellen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg sehr bekannt und ziemlich wohlhabend. Nach der Machtergreifung verlor die Jüdin ihren Arbeitsplatz und zog sich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fast völlig aus der Öffentlichkeit zurück; sie emigrierte jedoch aus privaten Gründen nicht. Nach dem Tod ihres Mannes 1940 verarmte sie zusehends und trat erst nach 1945 wieder in die Öffentlichkeit. Sie gründete mehrere Unternehmen, darunter eine Werbeagentur und einen Verlag; gab Zeitschriften heraus und schrieb weitere Kochbücher. Ihr erklärtes Ziel war die Professionalisierung der Hausarbeit; sie unternahm zahlreiche Anstrengungen um das Wissen der Hausfrauen in den Bereichen Ernährung und Haushaltsführung zu heben und kämpfte für einen Manteltarifvertrages für Hausangestellte. In großem Umfang engagierte sie sich insbesondere im Deutschen Hausfrauen-Bund und war eine seiner populärsten und umstrittensten Figuren. Fini Pfannes starb 1967, 73-jährig und vermachte ihr inzwischen wieder erhebliches Privatvermögen der nach ihr benannten Stiftung, die ihr Lebenswerk fortsetzt.
Silke Becker (Be)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.3 | 2.36
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Elke Schüller / Kerstin Wolff: Fini Pfannes (1894-1967) Königstein/Ts.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10727-fini-pfannes-1894-1967_12683, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12683
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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