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/ 21.06.2013
Gerhard Schröder

Fleißig, billig, schutzlos. Leiharbeiter in Deutschland

Hannover: Fackelträger 2009; 264 S.; kart., 16,95 €; ISBN 978-3-7716-4394-2
Der Titel und das Cover des Buches vermitteln einen reißerischen Eindruck, der jedoch trügt. Schröder, Wirtschaftsredakteur beim Deutschlandfunk, und seine zwei Koautoren liefern eine fundierte Analyse der Zeitarbeitsbranche; dabei sparen sie nicht mit Kritik. Zunächst gehen sie auf die Motive für die Einführung neuer Regelungen ein. Die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder sei bestrebt gewesen, die Zahl der Arbeitslosen schnell zu senken. Ein „entscheidendes Instrument im großen Werkzeugkoffer des neuen Wunderheilers“ (11) Peter Hartz sollte die Zeitarbeit sein; sie sollte dafür sorgen, dass die Firmen schneller einstellen und Arbeitslose schneller vermittelt werden. Dies führte zu einem erheblichen Aufwind in der Branche: Rund 800.000 Deutsche sind als Leiharbeiter beschäftigt – Tendenz steigend. Doch der Boom der Branche habe erhebliche Schattenseiten: Die soziale Balance sei verloren gegangen, das Lohngefüge nachhaltig ins Rutschen geraten. Leiharbeiter würden für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Festangestellte, sie verdienten 30 bis 45 Prozent weniger. Die Verbreitung von Niedriglohn-Jobs sei der „entscheidende Webfehler der Reform“ (250). Vor allem Hochlohnbranchen, in denen die Gewerkschaften stark und das Tarifgefüge fest seien, hätten den Aufschwung genutzt, um das Personal mit geliehenen Billigarbeitern zu ergänzen. Betriebe mit einem Anteil an Leihkräften von bis zu 50 Prozent seien keine Seltenheit. Das habe zu einer Spaltung vieler Belegschaften zwischen der etablierten, gut abgesicherten Stammbelegschaft und den schlecht verdienenden Zeitarbeitern geführt. Betriebe wie Volkswagen, die Deutsche Bahn oder die Telekom gründeten Tochterfirmen, in die sie einen Teil der Belegschaft auslagerten und dort Leiharbeiter einsetzten. Aber selbst die Wohlfahrtsverbände und die Kirchen würden so verfahren. Die Bilanz der Einführung dieses neuen Leiharbeitsystems sei ernüchternd: Nur wenige Langzeitarbeitslose oder Geringqualifizierte würden über die Zeitarbeit hinaus eine dauerhafte Anstellung finden.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3422.331 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Gerhard Schröder: Fleißig, billig, schutzlos. Hannover: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30632-fleissig-billig-schutzlos_36379, veröffentlicht am 05.08.2009. Buch-Nr.: 36379 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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