/ 21.06.2013
Christine Thon
Frauenbewegung im Wandel der Generationen. Eine Studie über Geschlechterkonstruktionen in biographischen Erzählungen
Bielefeld: transcript Verlag 2008 (GenderStudies); 488 S.; 36,80 €; ISBN 978-3-89942-845-2Pädagog. Diss. Bielefeld; Gutachter: B. Dausien, P. Mecheril. – Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, in welchem Ausmaß die seit Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre in Deutschland erwachsene Frauenbewegung die angestrebte Veränderung der Geschlechterverhältnisse tatsächlich erreicht hat. Diente die Frauenbewegung als eine Art Initialzündung für einen gesellschaftlichen Modernisierungsprozess oder waren ihre Konsequenzen eher rhetorischer Art? Thon wählt für ihre Untersuchung einen biografisch-empirischen Zugang über Interviews mit Großmutter, Mutter und Tochter verschiedener Familien, die unterschiedliche Bezüge zur Frauenbewegung haben. Auf diese Weise macht die Autorin intergenerationale Veränderungsprozesse und Stabilitäten sichtbar. Grundsätzlich konstatiert Thon ein umfangreiches Ausmaß sozialen Wandels zwischen den Möglichkeiten, die den Großmüttern und die den Enkelinnen heute gegeben scheinen. Insbesondere beschreibt die Autorin als zentrale Veränderung die Wiedergewinnung biografischer Handlungsfähigkeit unter dem Prinzip „Nicht wie meine Mutter“ (441). Reproduktionsarbeit wird von den Frauen als persönliche Verantwortung konstruiert und unter der Prämisse der Gegenseitigkeit gedacht. Zudem ist „Berufstätigkeit zunehmend zum maßgeblichen Prinzip und zur Garantin biographischer Akteurinnenschaft geworden“ (439). Doch interessant ist, dass Thon gleichzeitig die „Resistenz“ betont, „mit denen sich hierarchisierende Geschlechterverhältnisse nach wie vor reproduzieren können“ (435). So warnt sie vor der „Illusion der Emanzipation“ (452), indem konventionelle Geschlechterverhältnisse als Ergebnis individueller Entscheidung interpretiert werden. Durch die starke Fokussierung auf die individuelle Berufstätigkeit, die Autorin spricht von „einer simplifizierten und hegemonial gewordenen Individualisierungsthese“, werde die „Notwendigkeit sozialen Wandels nicht mit einer Notwendigkeit politischen Handelns verknüpft“ (458). Es müsse der Frauenbewegung zukünftig um ein neues Verhältnis von Persönlichem und Politischem gehen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.36
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Christine Thon: Frauenbewegung im Wandel der Generationen. Bielefeld: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31376-frauenbewegung-im-wandel-der-generationen_37341, veröffentlicht am 11.11.2009.
Buch-Nr.: 37341
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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