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/ 21.06.2013
Marion Heister

Gefühlte Gleichstellung. Zur Kritik des Gender Mainstreaming

Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2007 (Konzepte/Materialien 5); 146 S.; pb., 14,90 €; ISBN 978-3-89741-248-4
Seit mehreren Jahren gehört das Konzept Gender Mainstreaming zu den viel diskutierten Gleichstellungsstrategien, wobei die daran geäußerte Kritik entweder theoretischer Art ist (z. B. unverständlicher englischer Terminus, fehlende einheitliche Definition) oder aber auf diffuse Gegenwehr aus der Praxis stieß (zu viel Bürokratie, Durchsetzung von der Führungsebene, die traditionell aus Männern besteht). Der Grund dafür dürfte die bislang mangelnde Umsetzungserfahrung und die sich daraus ergebene fehlende Evaluation des Erreichten sein. Heister legt konkrete Beispiele aus der Praxis dar, die sie an den eingangs vorgenommenen Definitionen und Zielvorgaben von Gender Mainstreaming misst. Dabei kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Vorbehalte gegenüber Gender Mainstreaming oftmals nicht unbegründet sind. So werden ungeheure Anstrengungen unternommen, um am Ende marginale Veränderungen zu erzielen. Auf theoretischer Ebene verwenden viele Projekte zudem einen unterkomplexen Gender-Begriff, der häufig nur eine Neuetikettierung von Frauenförderung darstellt. Begrüßenswert ist Heisters schonungslose Aufdeckung der schöngefärbten Projektberichte, die immer genau dann enden, wenn es eigentlich um die konkrete Darstellung der ergriffenen Maßnahmen und deren Auswirkungen geht. So bleibt vielfach nur eine nebulöse Klimaverbesserung am Arbeitsplatz, eben jene gefühlte Gleichstellung als Resultat des kleinteiligen Gender-Mainstreaming-Prozesses übrig, die sich weder mit den hehren Zielen von Gender Mainstreaming, noch dem damit einhergehenden Aufwand verträgt. Bei aller Kritik am Konzept gelingt es Heister, in einer sachlichen Untersuchung herauszuarbeiten, wo im Einzelnen Schnittmarken des Scheiterns ersichtlich werden. Das Konzept selbst ist in seiner Grundidee brillant, scheitert aber allzu häufig an den Widerständen der ausführenden Männer und Frauen, die sich vor allem gegen Veränderungen liebgewordener Verhaltensmuster und Rollenzuweisungen wehren. Heisters Buch ist ein wichtiger Beitrag zur kritischen Gender-Mainstreaming-Debatte und kann daher zur Anschaffung empfohlen werden.
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Rubrizierung: 2.362.27 Empfohlene Zitierweise: Eva Voß, Rezension zu: Marion Heister: Gefühlte Gleichstellung. Königstein/Ts.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28338-gefuehlte-gleichstellung_33361, veröffentlicht am 28.03.2008. Buch-Nr.: 33361 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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