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/ 21.06.2013
Yvonne Galligan / Sara Clavero / Marina Calloni

Gender Politics and Democracy in post-socialist Europe

Opladen/Farmington Hills: Barbara Budrich Publishers 2007; 170 S.; pb., 19,90 €; ISBN 978-3-86649-133-5
Nach 1989 fand ein Wandel der Geschlechterverhältnisse in den post-sozialistischen Staaten statt. Die Autorinnen fragen danach, welche Wirkungen EU-Beitritt und Demokratisierung in den zehn mittel- und osteuropäischen EU-Staaten de facto auf die Inklusion von Frauen, Fraueninteressen und Geschlechtergleichheit hatte und inwieweit politische Kultur und Governance-Strukturen von der Kategorie Gender geprägt werden. Denn, so die normative Prämisse, die Inklusion von Frauen und Gleichheitsprinzipien sei ein zentraler Gradmesser für die demokratische Natur dieser Systeme, da Repräsentation das Herzstück der Demokratie sei. Die Studie greift auf das mehrdimensionale Konzept politischer Repräsentation von Hanna Pitkin zurück und problematisiert die Zusammenhänge zwischen den vier Repräsentationsformen. In verschiedenen Bereichen (politische Kultur und Einstellungen zu Geschlechterverhältnissen, Mobilisierung und Zivilgesellschaft, Institutionen repräsentativer Politik, Übernahme des EU-Rechts) wird gezeigt, welches Erbe bezogen auf Geschlechterverhältnisse hinterlassen wurde und wie dies durch das neue Paradigma einer liberalen Politik und Marktwirtschaft sowie durch die EU herausgefordert wurde. Im Ergebnis seien die post-sozialistischen Demokratien exklusiv orientiert und Frauenstimmen würden weder in den repräsentativen noch in den partizipatorisch-zivilgesellschaftlichen Strukturen ausreichend Gehör finden. Die Autorinnen argumentieren, dass ein tieferes Verständnis der Beziehung zwischen Agency, Kultur und Institutionen notwendig sei. Insbesondere zwei Faktoren seien für die Unterrepräsentation von Frauen(-interessen) verantwortlich: die (Re-)Traditionalisierung von Geschlechterrollen und unzureichende Gelegenheitsstrukturen für zivilgesellschaftliche Partizipation. Die Verpflichtung zur Übernahme der EU-Gleichstellungsnormen stellt nur ein schwaches Gegengewicht dar, zumal die Entwicklung auf EU-Ebene selber durch die Vernachlässigung der sozialen Integration, durch den Abbau von Frauenförderung und durch weiche Steuerungsinstrumente abgeflaut sei.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.272.222.22.61 Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Yvonne Galligan / Sara Clavero / Marina Calloni: Gender Politics and Democracy in post-socialist Europe Opladen/Farmington Hills: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29260-gender-politics-and-democracy-in-post-socialist-europe_34602, veröffentlicht am 01.07.2008. Buch-Nr.: 34602 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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