/ 22.06.2013
David Bebnowski
Generation und Geltung. Von den "45ern" zur "Generation Praktikum" – übersehene und etablierte Generationen im Vergleich
Bielefeld: transcript Verlag 2012 (Studien des Göttinger Instituts für Demokratieforschung zur Geschichte politischer und gesellschaftlicher Kontroversen 4); 271 S.; kart., 29,80 €; ISBN 978-3-8376-1975-1Der Generationsbegriff wird sozialwissenschaftlich und alltagssprachlich immer wieder bemüht, entbehrt jedoch oft eines konsensualen Gebrauchs. Während die Nachkriegs- und 68er-Generationen als etabliert gelten, wirken andere unscheinbar oder sind umstritten. Bebnowski hinterfragt diese Bedeutungsdifferenz und porträtiert ein von ihm ausgemachtes Gesamt an Generationen des 20. Jahrhunderts. Angelehnt an Karl Mannheims Generationskonzept und seiner Unterteilung in Generationslagerung, -zusammenhang und -einheit definiert er Generation analytisch anhand geteilter Erinnerungsorte im Sinne von Pierre Nora. Entlang von geteilten und sinnstiftenden Bedeutungen unterscheidet Bebnowski neben den oben genannten die Generationen der Halbstarken (50er), die der 78er, die Generation Golf und die Generation Praktikum. Bemerkenswert ist dabei der methodische Rückgriff auf belletristische Literatur, insbesondere zur existenziellen Herleitung der letzten beiden Generationen. Die ausgemachte Generationseinteilung und -entwicklung führt er abschließend auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Konsolidierung des Kapitalismus zurück. Grundlegend ist dabei die Sicht auf Generationen als Träger wie auch Produkt sozialen Wandels. Während die 68er noch vermochten, Zukunft aktiv zu gestalten, hat ab der 78er-Generation eine Anpassung der jeweiligen Generationen an die zunehmend bedrängenden, für die Generation Praktikum schließlich prekären Verhältnisse begonnen. Als bezeichnend stellt Bebnoswki zudem die im historischen Verlauf zunehmende Verwischung der Generationskonturen heraus. Charakteristisch hierfür sei insbesondere die zeitliche Überlagerung der letzten beiden Generationen. Insgesamt entwirft Bebnowski einen diskussionswürdigen Generationsentwurf. Mit der primären Ausrichtung an wirtschaftlichen Indikatoren werden jedoch Aspekte zunehmender gesellschaftlicher Medialisierung nicht berücksichtigt.
Hilmar Girnus (HG)
M. A., Politikwissenschaftler, Praktikant bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).
Rubrizierung: 2.35 | 2.313 | 2.315
Empfohlene Zitierweise: Hilmar Girnus, Rezension zu: David Bebnowski: Generation und Geltung. Bielefeld: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34975-generation-und-geltung_42069, veröffentlicht am 05.04.2012.
Buch-Nr.: 42069
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M. A., Politikwissenschaftler, Praktikant bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).
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