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/ 21.06.2013
Herbert Schui

Gerechtere Verteilung wagen! Mit Demokratie gegen Wirtschaftsliberalismus

Hamburg: VSA 2009; 181 S.; 14,80 €; ISBN 978-3-89965-358-8
„Der technische Fortschritt, die steigende Produktivität der Arbeit ist die materielle Grundlage für mehr Massenwohlstand. Genutzt wird diese Basis weniger denn je.“ (7) Ausgehend von dieser Beobachtung fragt Schui, gegenwärtig wirtschaftspolitischer Sprecher der Partei „Die Linke“ im Deutschen Bundestag und emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der ehemaligen Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg, nach den Ursachen für die steigende Produktivität einerseits und dem Anwachsen der Armut andererseits. In 19 Essays, von denen alle – mit Ausnahme des letzten – in den vergangenen zehn Jahren bereits andernorts veröffentlicht wurden, erläutert Schui, wie sich der Sozialstaat in der Bundesrepublik entwickelt hat. Die Erfolge der Arbeitnehmer in den ersten Nachkriegsjahren seien nicht dem Erhard’schen Konzept der Sozialen Marktwirtschaft zuzuschreiben, sondern aufgrund der Stärke der Gewerkschaften und der kritischen Haltung der Bevölkerung erreicht worden. Als Beispiel nennt er die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sie sei in einem langen Streik gegen die Regierung und ihre Soziale Marktwirtschaft durchgesetzt worden. Mit dem Konzept des Neoliberalismus setzt er sich in zwei Essays kritisch auseinander. Im Neoliberalismus seien nicht die größtmögliche Bedarfsdeckung, Vollbeschäftigung oder soziale Gerechtigkeit bedeutsam, sondern die Freiheit aller am Markt Beteiligten in einer freien Gesellschaftsordnung. Entsprechend sei jeder für sich und seine Situation selbst verantwortlich, Arbeitslosigkeit und Armut würden als Folgen individuellen Versagens betrachtet. Der Autor spricht hier vom „Mythos der Eigenverantwortung“ (135 ff.). Verantwortlich für diese Misere sei vor allem die Sozialdemokratie – die ursprüngliche Verfechterin der Sozialstaatsidee. Die SPD-Wirtschaftsprogrammatik habe sich jedoch im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte fundamental gewandelt und zur Beseitigung des Sozialstaates in entscheidendem Maße beigetragen. Es sei an der Zeit, das Volkseinkommen gerecht zu verteilen und die Lebensverhältnisse der großen Mehrheit der Bevölkerung der steigenden Arbeitsproduktivität anzupassen. Dieses Ziel müsse die Mehrheit im Konflikt durchsetzen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.3423.22.3312.372.341 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Herbert Schui: Gerechtere Verteilung wagen! Hamburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30548-gerechtere-verteilung-wagen_36270, veröffentlicht am 02.09.2009. Buch-Nr.: 36270 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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