/ 22.06.2013
Vasile Dumbrava (Hrsg.)
Geschichte politisch-sozialer Begriffe in Rumänien und Moldova
Leizpig: Leipziger Universitätsverlag 2010 (Veröffentlichungen des Moldova-Instituts Leipzig 5); 254 S.; hc., 29,- €; ISBN 978-3-86583-491-1Analysen zum Bedeutungswandel wichtiger politischer Begriffe können interessante Rückschlüsse auf die Entwicklung und Organisation einer Gesellschaft, deren politisches Bewusstsein oder auf die Modernisierung des Staates aufzeigen. Das wird in diesem interdisziplinärem Sammelband über vergangene und gegenwärtige Debatten um Begriffe wie Europa, Politik, Stamm/Volk, Verfassung oder Eigentum in Rumänien und der Republik Moldova anschaulich vermittelt. So zeigt etwa Armin Heinen, dass der Politikbegriff in Rumänien eine bewegte Geschichte hatte, für die er mindestens acht Phasen ausmacht. Und selbst in der Zeit des Kommunismus „meinte Politik durchaus Unterschiedliches“, erklärt Heinen. „Anfangs stand der Begriff für Klassenkampf, dann, mit der Konsolidierung des Regimes, für praktische politische Wissenschaft, anschließend für das Charisma Nicolae Ceauşescus und schließlich für rationale Einsicht in gesunde und gerechte Selbstbeschränkung sowie für weise Staatsführung durch den vom Schicksal ‚Auserkorenen’.“ (85) Das Erbe der Vergangenheit erschwere die Entwicklung eines angemessenen Politikbegriffs, der derzeit auf den drei Ebenen politics, policy und polity neu verhandelt werde. Für Vasile Dumbrava ist der Umgang mit dem Verfassungsbegriff Ausdruck des Staatswerdungsprozesses in Moldova. In seinem Beitrag erläutert er, wie die Festlegung einer Staatssprache in der Verfassung in Moldova für heftige Debatten sorgte. „Der Streit um die Identität in der Verfassung wird die moldauische Gesellschaft weiterhin polarisieren“; er wird damit zugleich, prognostiziert Dumbrava, „den Verfassungsbegriff im Mittelpunkt eines breiten öffentlichen Interesses halten“ (184). Und in seiner Reflexion über den Begriff Europa am Beispiel Rumäniens stellt Hans-Christian Maner ganz verschiedene Bedeutungszusammenhänge mit jeweils eigenen Diskursen heraus. Seit 1989/90 werde „Europa“ zwar stark mit der EU in Verbindung gebracht, doch sei die kulturelle Dimension von Europa als „Raum der europäischen Philosophie, Geschichte und Zivilisation nicht verloren gegangen.“ Europa erweise sich als „ein offener, aufnahmefähiger“ Terminus – „und das ist gut so“ (20), schreibt Maner.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.24
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Vasile Dumbrava (Hrsg.): Geschichte politisch-sozialer Begriffe in Rumänien und Moldova Leizpig: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32889-geschichte-politisch-sozialer-begriffe-in-rumaenien-und-moldova_39284, veröffentlicht am 08.12.2010.
Buch-Nr.: 39284
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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