/ 21.06.2013
Tina Jung
Geschlechterdemokratie als "rhetorische Modernisierung"? Eine feministische ReVision. Mit einem Vorwort von Ingrid Kurz-Scherf
Freiburg: Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen 2007; V, 132 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-939348-10-8Politikwiss. Magisterarbeit Marburg. – Mit dem Begriff der Geschlechterdemokratie verbinden sich vielfältige und teils widersprüchliche Vorstellungen und Zielsetzungen. Als normatives Leitbild wurde er 1997 in der Heinrich-Böll-Stiftung als wichtiges organisationspolitisches Instrument verankert und in den weiteren Jahren folgten verschiedene andere Organisationen diesem Beispiel. Im Kern der kontroversen Diskussionen über die Konzeption und Umsetzung von Geschlechterdemokratie steht die Frage, ob es sich hierbei um eine Weiterführung feministischer Konzepte handelt oder ob Geschlechterdemokratie im Widerspruch zu feministischen Interessen steht, weil sie dazu tendiert, bestehende Ungleichheitsverhältnisse zu verschleiern – wie Angelika Wetterer es mit dem Begriff der „rhetorischen Modernisierung“ ausgedrückt hat. Diese Problematik aufgreifend, analysiert die Autorin Geschlechterdemokratie in zweierlei Hinsicht: Erstens untersucht sie, ob der Begriff auf der Praxisebene einen Politikwechsel im Bereich der Geschlechterverhältnisse anzuzeigen vermag und inwieweit sich grundsätzliche Neuerungen in der Gleichstellungspraxis abzeichnen. Zweitens wird auf theoretisch-konzeptioneller Ebene gefragt, inwieweit der Begriff als feministische Vision herangezogen werden kann, welches seine normativen Ansprüche sind und wie Demokratie und Geschlecht verstanden werden. Hierfür bedient sich die Autorin der kritischen Perspektive Wetterers und verbindet diese mit den Gerechtigkeitskonzeptionen von Nancy Fraser. Auf dieser Grundlage analysiert sie den politischen und normativen Gehalt der Geschlechterdemokratie, wobei sie als drei Diskursbereiche die Heinrich-Böll-Stiftung und ihr näheres Umfeld, die marktvermittelte Gender-Praxis sowie die kritische Männerforschung vor dem Hintergrund ihres jeweiligen Entstehungszusammenhangs berücksichtigt. Damit leistet die Autorin eine systematische Aufbereitung der Praktiken und Diskurse um Geschlechterdemokratie. Im Ergebnis dieser ebenso kompakten wie kenntnisreichen und insgesamt lohnenswerten Studie muss Jung ihre Titelfrage bejahen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.36
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Tina Jung: Geschlechterdemokratie als "rhetorische Modernisierung"? Freiburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28752-geschlechterdemokratie-als-rhetorische-modernisierung_33917, veröffentlicht am 25.04.2008.
Buch-Nr.: 33917
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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