/ 11.06.2013
Gerhard Kunze
Grenzerfahrungen. Kontakte und Verhandlungen zwischen dem Land Berlin und der DDR 1949-1989
Berlin: Akademie Verlag 1999 (Studien des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin); 502 S.; geb., 48,- DM; ISBN 3-05-003442-4Das Buch ist aus dem Forschungsprojekt "Berlin – Berlin. Die Verhandlungen zwischen Beauftragten des Berliner Senats und Vertretern der DDR-Regierung zu Reise- und humanitären Fragen 1961-1989" an der FU Berlin hervorgegangen. Der Autor konnte bei der Bearbeitung des Themas nicht nur die seit 1989 zugänglichen Akten der zuständigen DDR-Stellen auswerten, sondern ist auf Grund seines beruflichen Werdegangs als Kenner der Materie zu betrachten. Denn von 1973 bis 1989 war er Besuchsbeauftragter des Berliner Senats und damit für alle Fragen des Reise- und Besucherverkehrs zwischen West-Berlin und der DDR zuständig. Vor dem Hintergrund dieser Kenntnisse bietet der Autor eine umfangreiche Dokumentation und zahlreiche Detailanalysen dieser spezifischen Ost-West-Beziehungen. Dabei spannt er den Bogen seiner Betrachtung von der Spaltung Berlins 1948 bis zum Fall der Mauer 1989. Ein Kernstück seiner Untersuchung ist das Bemühen des Senats, die Folgen des Mauerbaus für die West-Berliner Bevölkerung zu mindern, indem Verwandtenbesuche ermöglicht wurden. Dementsprechend widmet er den Verhandlungen über die Passierscheinabkommen großen Raum. Die zweite Säule seiner Arbeit beschäftigt sich mit den Folgevereinbarungen, die durch das Vier-Mächte-Abkommen nötig und möglich geworden waren. Dabei berücksichtigt er auch die zunehmende Einbindung nicht-staatlicher Akteure - z. B. im Bereich des Sportverkehrs und der Kultur - sowie die Frage, wie die existierenden Kontakte zwischen den West-Berliner Parteien und der SED ausgestaltet wurden. Deutlich wird hier, in welchem Umfang sich Teile der Berliner SPD von der SED in eine Politik einbinden ließen, die auf eine Festschreibung des Berliner Status quo hinauslief.
Aus dem Inhalt: A. Von der Spaltung Berlins 1948 bis zum Mauerbau 1961: I. Ausgangssituation; II. Massnahmen der Spaltung; III. Bemühungen zur Überwindung der Spaltung; IV. Ergebnis der Jahre 1948 bis 1961. B. Die Passierscheinregelungen 1961-1969: I. Mauerbau und Folgen; II. Das Ringen um Passierscheine; III. Die Passierscheinvereinbarung vom 17. Dezember 1963; IV. Die Passierscheinvereinbarungen von 1964–1966; V. Weitere Bemühungen um Passierscheine zwischen 1966 und 1969; VI. Technische und sonstige Kontakte zwischen 1964 und 1969; 7. Ergebnis der Passierscheinjahre von 1963-1969. C. Vertragspolitik der Jahre 1970–1989: I. Die Berliner Folgevereinbarungen zum Vier-Mächte-Abkommen 1970–1972; II. Berlin-Politik 1972–1990; III. Reise- und Besucherverkehr; IV. Gebietsaustausch; V. Kontakte und Vereinbarungen in weiteren Bereichen; VI. Das MfS und die Kontakte zwischen Senat und DDR; VII. Kontakte zwischen West-Berliner Parteien und der SED.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.313
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Gerhard Kunze: Grenzerfahrungen. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10673-grenzerfahrungen_12621, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12621
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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