/ 03.06.2013
Tony Judt
Große Illusion Europa. Gefahren und Herausforderungen einer Idee. Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck
München/Wien: Carl Hanser Verlag 1996; 160 S.; geb., 29,80 DM; ISBN 3-446-18755-3Die Originalausgabe ist 1996 bei Farrar, Straus & Giroux in New York unter dem Titel "La Grande Illusion? An Essay on Europe" erschienen. Das Buch basiert auf einer Vorlesungsreihe des Autors - ein in den USA lehrender britischer Historiker - am John Hopkins Center in Bologna im Mai 1995. Judt bezeichnet sich trotz seines Europessimismus als einen "begeisterten Europäer" (14).
Die Vision eines geeinten Europas hält er für eine große Illusion. Angesichts der deutschen Wiedervereinigung prognostiziert er die Dominanz Europas durch Deutschland - "die Zukunft Europas ist entweder unter dem Diktat Deutschlands oder überhaupt nicht zu realisieren" (143). Deutschland gehe es langfristig darum, eine neue Rolle in Zentral- und Osteuropa zu übernehmen und in der Europäischen Union Partner für diese Strategie zu finden.
"Europa" biete nicht die Antworten auf die aktuellen Probleme, wie z. B. die strukturelle Arbeitslosigkeit oder den Abbau des Wohlfahrtsstaates. Die Währungsunion werde die Europäische Union spalten, so daß Europa in Gewinner und Verlierer geteilt werde.
Judt plädiert für die partielle Wiedereinsetzung des Nationalstaates. Bei zu "großen transnationalen Einheiten" (141) bestehe die Gefahr der Unüberschaubarkeit und des demokratischen Defizits. Er sieht die "Idee von 'Europa', zumindest in ihrer starken Form, am Ende" (148).
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.1
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Tony Judt: Große Illusion Europa. München/Wien: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1935-grosse-illusion-europa_2313, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 2313
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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