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/ 20.06.2013
Martin Arnold

Gütekraft. Ein Wirkungsmodell aktiver Gewaltfreiheit nach Hildegard Goss-Mayr, Mohandas K. Gandhi und Bart de Ligt

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Religion – Konflikt – Frieden 4); 283 S.; brosch., 19,- €; ISBN 978-3-8329-6975-2
Arnold hat sich die schwierige Aufgabe gestellt, ein Konzept zu entwickeln, wie gewaltfreies Handeln als Reaktion auf Gewalt oder Gewaltandrohung realisiert werden kann. Zunächst stellt er die drei Theorien der für gewaltfreies Handeln eintretenden Personen Hildegard Goss-Mayr, Mohandas K. Gandhi und Bart de Ligt vor und vergleicht sie, arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus. Dies ermöglicht ein synthetisiertes Wirkungsmodell aktiver Gewaltfreiheit mit drei Forschungsergebnissen: Aus dem Vergleich ergibt sich das gemeinsame „Gütekraft-Modell“, das auf bestimmten Grundüberzeugungen aufbaut, jedoch unabhängig von Weltanschauungen oder Religion ist. Mit der Gütekraft wird ein Handlungskonzept beschrieben, das das Ziel verfolgt, die sozialen Verhältnisse zu verbessern und sich in dem Prinzip „Fülle des Lebens für alle“ ausdrückt. Zentral dafür ist das Merkmal „Das Ziel ist der Weg“ (134). Auf sechs unterschiedlichen Stufen wird die angenommene Wirkungsweise dargelegt, wobei diese Stufen für verschiedene Schwierigkeiten des Abbaus von Missständen stehen; auf der höchsten Stufe soll die Beendigung der Herrschaft von brutalen Diktaturen bewirkt werden. Das zweite Forschungsergebnis zeigt die Notwendigkeit auf, in Konfliktfällen über einen Prozess des „Reframing“ einen größeren Rahmen zu schaffen, mit dem die Vorstellung verbunden werden soll, dass es sich um Missstände handelt, an deren Beseitigung alle Beteiligten ein Interesse haben sollten. Das dritte Forschungsergebnis weist darauf hin, dass für eine gewaltlose Konfliktlösung die eigenen Interessen im Verhältnis zu den Interessen der anderen gesetzt werden und zudem in ihrer Bedingtheit erkannt werden. So soll ein „beziehungszentrisches Selbstbild“ (179) entstehen. Die einzelnen Stufen und deren Erfolgspotenzial werden zum Schluss mit historischen Beispielen illustriert. Abschließend sei auf das knappe Vorwort von Johan Galtung verwiesen, in dem dieser das Buch als die umfassendste Arbeit über Theorie und Politik der Nonviolence bezeichnet, mit der Arnold der Friedensforschung einen riesengroßen Dienst erwiesen habe.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.44 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Martin Arnold: Gütekraft. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21955-guetekraft_41887, veröffentlicht am 24.05.2012. Buch-Nr.: 41887 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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