/ 21.06.2013
Kathrin Och
Hat die Fußball-WM 2006 den Stahlhelm verbannt? Das Deutschlandbild in der Sportberichterstattung britischer Tageszeitungen
Marburg: Tectum Verlag 2008; 146 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9747-2Das Deutschlandbild in Großbritannien ist maßgeblich durch den Zweiten Weltkrieg beeinflusst und drückt sich in der medialen Verwendung von Kriegsvokabular und -symbolen wie Hakenkreuz und Pickelhaube oder allgemein von negativen Stereotypen wie Sturheit, Ordnungsliebe oder Humorlosigkeit aus. Dies schlage sich besonders in der Sportberichterstattung nieder, wobei sportliche Begegnungen von den Medien nicht selten zu Ersatzkriegen umfunktioniert würden. „Als jedoch 2006 die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland stattfindet und ‚Die Welt zu Gast bei Freunden’ ist, tritt offenbar eine Kehrtwende ein. ‚The war is over’ schreibt die britische Tageszeitung The Guardian, während The Independent schlicht auf Deutsch ‚Freundschaft’ titelt und The Daily Telegraph über ‚31 Tage, die die Wahrnehmung Deutschlands in der Welt verändert haben’ jubelt“, schreibt die Autorin und fragt, ob ein solcher Wandel tatsächlich stattgefunden hat. Im Rahmen ihrer Inhaltsanalyse des Boulevardblattes „The Mirror“ und der Qualitätszeitung „The Times“ untersucht sie die Berichterstattung über die letzten drei Fußballweltmeisterschaften. Welche Eigenschaften werden den Deutschen im Zusammenhang mit der jeweiligen WM zugeschrieben? Wurde während der WM 2006 tatsächlich auf Kriegsvokabular verzichtet? Lassen sich Unterschiede zwischen den beiden Zeitungen feststellen? Och kommt zu dem Ergebnis, dass in der Berichterstattung 2006 durchaus „Beschreibungen der Gastfreundschaft, der Lebensfreude und des Patriotismus“ (99) dominieren und positive Imageveränderungen stattfinden. Allerdings erstrecke sich dieser Wandel nicht auf den Gebrauch von Kriegsvokabular, vielmehr seien, so die Autorin, in 2006 deutlich mehr Kriegsbegriffe und -symboliken verwendet worden als in den vorherigen Zeiträumen. Ihr Fazit: „Der hässliche Deutsche ist gestorben, der Stahlhelm jedoch hat überlebt.“ (99)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Kathrin Och: Hat die Fußball-WM 2006 den Stahlhelm verbannt? Marburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30875-hat-die-fussball-wm-2006-den-stahlhelm-verbannt_36693, veröffentlicht am 26.08.2009.
Buch-Nr.: 36693
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