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/ 21.06.2013
Werner Rügemer

"Heuschrecken" im öffentlichen Raum. Public Private Partnership – Anatomie eines globalen Finanzinstruments

Bielefeld: transcript 2008 (xtexte); 169 S.; kart., 16,80 €; ISBN 978-3-89942-851-3
Der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Marktes sei zerstört, der Markt an sich bewirke nichts für die Verbesserung essenzieller Grundbedürfnisse der Menschen, so die These des Autors. Er bezieht sich damit auf qualitative Güter wie bessere Arbeitsplätze, eine gute Altersversorgung, gesunde Lebensmittel und einen bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr. Ferner wird von ihm kritisiert, dass sich der Schwerpunkt der Privatisierungsaktivitäten aus dem angloamerikanischen Raum nach Deutschland verschoben hat und sich die Akteure der Privatisierung wie die Finanzwelt, private Unternehmen und Regierungen als nicht lernfähig erwiesen haben. Beruhigend ist für Rügemer nur die Tatsache, dass Privatisierungen von Staatseigentum durch Bund und Länder in Deutschland zunehmend auf Widerstand stoßen. Die Bevölkerung begreife zumindest in Ansätzen, dass hier öffentlicher Raum zerstört wird. Der Autor wendet seinen Blick zunächst nach Großbritannien, der Wiege des Public Private Partnership (PPP), einem Konstrukt, das von New Labour als Antwort auf die noch radikaleren Privatisierungen der Ära Thatcher entwickelt wurde. So sollte die Sanierung des britischen Schienennetzes mithilfe von privatem Kapital erfolgen. Doch die private Schienenbetreibergesellschaft Railtrack schöpfte die Gewinne lediglich ab, ohne Investitionen in Personal und Infrastruktur vorzunehmen. Nach Ausbleiben von Staatskrediten ging Railtrack schließlich in die Insolvenz. Der Staat übernahm die Schulden und kaufte die Bahnanlagen teilweise zurück. Noch heute zählt die britische Bahn zu den teuersten und ineffizientesten in Europa. Ein weiteres prominentes Beispiel einer fehlgeschlagenen Privatisierung ist die Londoner Metro. Auf den britischen Erfahrungen aufbauend, analysiert der Autor PPP-Projekte in Deutschland sowie die Effizienzvorteile von Investoren innerhalb dieses Modells. Die Implikationen des Public Private Partnership für die Gesellschaft werden dabei vom Autor einer äußerst kritischen Bewertung unterzogen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.222.212.3312.3252.61 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Werner Rügemer: "Heuschrecken" im öffentlichen Raum. Bielefeld: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28947-heuschrecken-im-oeffentlichen-raum_34177, veröffentlicht am 05.08.2008. Buch-Nr.: 34177 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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