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/ 21.06.2013
Celine Camus / Annabelle Hornung / Fabienne Imlinger / Angela Kolbe / Milena Noll / Isabelle Stauffer (Hrsg.)

Im Zeichen des Geschlechts. Repräsentationen, Konstruktionen, Interventionen

Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2008 (Frankfurter Feministische Texte: Sozialwissenschaften 12); 364 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-89741-264-4
Der Sammelband enthält in der Mehrzahl nur eingeschränkt politikwissenschaftliche Arbeiten. Epochen- und kulturübergreifend gibt es Auseinandersetzungen, in denen um die inhaltliche, semantische und politische Definition von Geschlecht gestritten wird. Die Autoren untersuchen zum einen, nach welchen Mechanismen Vergeschlechtlichung vor sich geht, also die Praktiken der Bezeichnung und Kennzeichnung. Zum zweiten geht es um das Geschlecht als Bezeichnetes, das als Subjekt und Akteur selbst in den ästhetischen, semiotischen und politischen Prozess der Geschlechterdarstellung involviert ist. Die Autoren wollen mit ihren Beiträgen auch politisch und emanzipatorisch wirken. So argumentieren Skadi Loist und Alek Ommert für den Begriff einer Interventionsöffentlichkeit, weil dieser „im Gegensatz zur dichotomen und statischen Struktur des Modells Öffentlichkeit versus Gegenöffentlichkeit ein dynamisches, heterogenes und verhandelbares Konzept von Öffentlichkeit(en) ermöglicht“ (17). Kolbe untersucht, ob eine Abschaffung der juristischen Kategorie Geschlecht sinnvoll wäre. Sie führt aus, dass die Zuschreibung eines der beiden gängigen Geschlechter, männlich oder weiblich, einer Zwangszuschreibung gleichkomme und soziale Rollen zementiere, zudem würden transidente Menschen überhaupt nicht erfasst. Juristisch würde ein Wegfall der Geschlechtskategorie plötzlich eine Institution wie die Ehe allen Geschlechtsidentitäten öffnen und so auch in Deutschland bestehende Restdiskriminierungen aufheben. Am sinnvollsten scheint Kolbe „die Abschaffung der Registrierung“ (230) zu sein. So würde soziale Realität unauffällig geändert und ein drittes Geschlecht für intersexuelle Menschen eingeführt. Der Band geht auf ein gleichnamiges interdisziplinäres Symposium im Oktober 2007 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt zurück.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.27 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Celine Camus / Annabelle Hornung / Fabienne Imlinger / Angela Kolbe / Milena Noll / Isabelle Stauffer (Hrsg.): Im Zeichen des Geschlechts. Königstein/Ts.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29949-im-zeichen-des-geschlechts_35497, veröffentlicht am 20.01.2009. Buch-Nr.: 35497 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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