/ 22.06.2013
Meike Dudziak (Hrsg.)
In Capacity We Trust. Social Capital and Non-Compliance in the European Union
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Internationale Beziehungen 16); 247 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-6360-6Diss. FU Berlin. – Die Politologin Dudziak beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Sozialkapital, operationalisiert als soziales und politisches Vertrauen, und der Adaption sowie Umsetzung von europäischem Recht. Ausgangspunkt dieser Problemstellung ist die empirische Beobachtung, dass jene Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die über ein hohes Level an Sozialkapital verfügen, von der EU verabschiedete Richtlinien besonders gut und schnell umsetzen können. Dudziak konzipiert Sozialkapital als unabhängige Variable und die Umsetzung von EU-Recht als abhängige Variable, um gestützt auf quantitativ messbare Korrelationen zwischen den Variablen und mithilfe der qualitativen Methode des Process Tracings zu zeigen, ob und wie Sozialkapital die nationale Umsetzung von EU-Recht beeinflusst. Gegenstand ihrer empirischen Analyse ist die Umsetzung der Habitat-Richtlinie der EU, einem Set aus Gesetzen zum Schutz von seltenen Pflanzen- und Tierarten, sowie spezifischen Habitaten in unterschiedlichen Regionen Italiens, wobei ein Schwerpunkt auf der süditalienischen Provinz Apulien liegt. Mit Italien wurde ein Land ausgewählt, das in der Umsetzung von EU-Recht sehr schlecht abschneidet, gemessen am europäischen Durchschnitt über ein geringes Sozialkapital verfügt und hohe regionale Disparitäten bezüglich der Leistungsfähigkeit politischer Institutionen aufweist. Der interregionale Vergleich und die Einzelfallstudie zu Apulien zeigen, dass staatliche Akteure, die eine geringe Leistungsfähigkeit und ein hohes Maß an Korruption aufweisen, auf den Widerstand wichtiger nichtstaatlicher Akteure treffen. So behindern die endemischen Missstände aufseiten regionaler und lokaler politischer Behörden die Umsetzung von EU-Recht nicht nur auf direktem Wege, sondern sorgen auch für schwindendes Vertrauen bei der Bevölkerung und tragen damit indirekt, aber nachhaltig dazu bei, dass EU-Richtlinien nicht wirksam werden können.
Marius Hildebrand (HIL)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.4 | 3.5 | 2.22 | 2.261 | 2.61 | 3.7
Empfohlene Zitierweise: Marius Hildebrand, Rezension zu: Meike Dudziak (Hrsg.): In Capacity We Trust. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34134-in-capacity-we-trust_40941, veröffentlicht am 20.10.2011.
Buch-Nr.: 40941
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M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Universität Hamburg.
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