/ 03.04.2014
Winfried Brugger
Integration, Kommunikation und Konfrontation in Recht und Staat. Gesammelte Aufsätze
Berlin: Duncker & Humblot 2013 (Schriften zum Öffentlichen Recht 1252); 401 S.; 98,90 €; ISBN 978-3-428-14096-1Diese Aufsatzsammlung umfasst wichtige Arbeiten des im November 2010 verstorbenen Rechtswissenschaftlers Winfried Brugger. Deren thematisch breite Anlage führt den Nachweis, dass sich Brugger auf vielen Problemfeldern im Spannungsfeld zwischen Recht und Politik zu Hause fühlte. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten, die sich in dem Band widerspiegeln, gehörten rechtsphilosophische Überlegungen zu den Grund‑ und Menschenrechten, politiktheoretische Fragen des Verhältnisses zwischen Liberalismus und Kommunitarismus sowie ideengeschichtliches Spurenlesen im Werk bedeutender Rechtsdenker wie Georg Jellinek. Zum 100. Todestag des Letztgenannten bemühte sich Brugger um eine Darstellung von dessen Statuslehre und zeigte die Anschlussfähigkeit dieses Klassikers zu modernen Staats‑ und Rechtstheorien, beispielsweise derjenigen von Jürgen Habermas oder Ronald Dworkin. Im Beitrag „Gewährleistung von Freiheit und Sicherheit im Lichte unterschiedlicher Staats‑ und Verfassungsverständnisse“ lotete er die Untiefen zwischen Sicherheit und Freiheit unter anderem durch einen Rekurs auf ideengeschichtliche Klassiker aus. Bruggers Abhandlung über die „Einschränkung des absoluten Folterverbots bei Rettungsfolter“ gehört wohl zu den bekanntesten, aber zugleich umstrittensten Beiträgen auf diesem Gebiet: In bestimmten Gefahrensituationen sei demnach die uneingeschränkte Geltung der Menschenwürde nach Art. 1 GG abwägungsfähig. Die Analogie zwischen dem „finalen Rettungsschuss“ und der „Rettungsfolter“ ist indes keineswegs so einfach zu ziehen, wie Brugger das suggerierte. Zum einen ist die Situation im Falle einer Geiselnahme eindeutig, wobei der „rettende Schuss“ die Bedrohung für die Geisel unmittelbar beendet, während es sich bei der Rettungsfolter zur Erpressung einer Auskunft über den Aufenthaltsort einer Bombe um einen Tatverdächtigen, von dem nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden kann, dass er für eine bestimmte Tat verantwortlich ist, respektive die notwendigen Informationen zur Aufdeckung der Tat liefern kann, handelt.
{PS}
Rubrizierung: 5.44 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Patrick Stellbrink, Rezension zu: Winfried Brugger: Integration, Kommunikation und Konfrontation in Recht und Staat. Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36934-integration-kommunikation-und-konfrontation-in-recht-und-staat_45267, veröffentlicht am 03.04.2014.
Buch-Nr.: 45267
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
CC-BY-NC-SA