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/ 21.06.2013
Frank Pitzer

Interessen im Wettbewerb. Grundlagen und frühe Entwicklung der europäischen Wettbewerbspolitik 1955-1966

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2009 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte 195); 482 S.; kart., 74,- €; ISBN 978-3-515-09120-6
Diss. phil. Bonn; Gutachter: G. Schulz, J. Scholtyseck. – Die europäische Wettbewerbspolitik hat wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der europäischen Integration insgesamt und sie trägt langfristig zur Konvergenz „nationaler Auffassungen von Wettbewerbspolitik“ (5) bei. Ausgehend von dieser Erkenntnis, widmet sich Pitzer dem Entstehungsprozess und der Frühphase der europäischen Wettbewerbspolitik. Der Autor schildert die intensiven Verhandlungen der sechs EWG-Gründerstaaten zur Schaffung einer europäischen Kartell- und Wettbewerbspolitik im Zeitraum zwischen 1955 und 1966. Dabei stellt er die unterschiedlichen nationalen Wettbewerbstraditionen dar und beleuchtet die intergouvernementale Interessenauseinandersetzung und ihren Einfluss auf die Institutionengestaltung. Er beginnt seine Untersuchung mit den EWG-Vertragsverhandlungen 1955 und analysiert die wettbewerbspolitische Diskussion der Staaten im institutionellen Rahmen der EWG. Diese mündete in der Verordnung Nr. 17/62, die die europäische Wettbewerbspolitik rund 40 Jahre prägte. Ihre Umsetzung – sowie die der Artikel 85 bis 89 des EWG-Vertrags – war der Grundstein dieses zentralen europäischen Politikbereiches. Die Wettbewerbspolitik sei das erste Politikfeld gewesen, auf dem der Kommission als überstaatlicher Organisation von den Nationalstaaten ausschließliche exekutive Kompetenzen übertragen worden seien. Der Kommission sei es schnell gelungen, auf dem Gebiet der Wettbewerbspolitik „umfangreiche Eigenkompetenz“ (18) zu erlangen. Noch immer habe die Kartell- und Wettbewerbspolitik eine integrierende Bedeutung, sei somit „zum Anlass für die langfristige Angleichung nationaler Wirtschaftspolitiken“ (453) geworden und habe zur Wohlstandsentwicklung in Europa beigetragen, indem sie das gegenseitige Verständnis der Staaten untereinander für die wirtschaftspolitischen Ansichten der jeweiligen Partnerländer verbesserte.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.53.3 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Frank Pitzer: Interessen im Wettbewerb. Stuttgart: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31862-interessen-im-wettbewerb_37996, veröffentlicht am 16.03.2010. Buch-Nr.: 37996 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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