/ 18.06.2013
Thomáš Staněk
Internierung und Zwangsarbeit. Das Lagersystem in den böhmischen Ländern 1945-1948. Aus dem Tschechischen von Eliška und Ralph Melville. Ergänzt und aktualisiert vom Autor. Mit einer Einführung von Andreas R. Hofmann
München: R. Oldenbourg Verlag 2007 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 92); XV, 390 S.; geb., 39,80 €; ISBN 978-3-486-56519-5Stanĕc untersucht das bislang in der wissenschaftlichen Literatur und der tschechischen Öffentlichkeit vernachlässigte Lagersystem in der Tschechoslowakei von 1945 bis 1948. In dieser aus dem Tschechischen übersetzten Pionierstudie werden die Entstehung und Organisation der Lager sowie die Lebensbedingungen der Internierten klassifiziert und interpretiert. Die wesentliche Struktur der Untersuchung ergibt sich durch die chronologische Aufteilung in drei historische Phasen. Das Lagersystem sei eine „logische Begleiterscheinung“ der Nachkriegsereignisse gewesen. Ihre Entstehung „hing eng mit den Kriegsfolgen und den politischen Maßnahmen zu ihrer Überwindung zusammen, die zugleich der Konzeption des Aufbaus des ‚Nationalstaats’ [... ] angepaßt“ (354) waren. Die Existenz des Lagersystems sei unmittelbar mit der Festsetzung und Vertreibung der deutschen Minderheit verbunden gewesen. Wenngleich sich die Verhältnisse wesentlich von den NS-Lagern und den sowjetischen Gulags unterschieden, verweist Stanĕc auf den Einfluss totalitärer Ideologien. Auch in der Nachkriegstschechoslowakei seien Lager für viele Menschen zu einer Manifestation des Leids geworden.
Jost Wübbeke (JW)
Student, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Jost Wübbeke, Rezension zu: Thomáš Staněk: Internierung und Zwangsarbeit. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20403-internierung-und-zwangsarbeit_23776, veröffentlicht am 11.09.2008.
Buch-Nr.: 23776
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Student, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
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