/ 20.06.2013
Christoph Walther
Jakob Fischbacher und die Bayernpartei. Biografische Studien 1886 bis 1972
München: Herbert Utz Verlag 2006 (Geschichtswissenschaften); 556 S.; 44,- €; ISBN 978-3-8316-0406-7Diss. München. Gutachter: H.-M. Körner; W. Ziegler. – Die Heirat zwischen Bayern und norddeutschen Blondinen sei Blutschande, polemisierte der Politiker Fischbacher auf einer Bauernversammlung 1947, und überhaupt, die Preußen, „dieses Lumpengesindel“ (126) müsse nach Sibirien geschickt werden. Obwohl sich Fischbacher spätestens mit diesen verbalen Ausfällen einen Namen als „krachlederne[r] Bajuware[]“ (457) gemacht hatte, möchte der Autor ihn nicht auf dieses Klischee reduziert sehen. Deshalb beschreibt er in dieser zeitgeschichtlichen Studie ausführlich den Lebensweg Fischbachers vom überzeugten Monarchisten, der die NS-Zeit ohne Verstrickungen in der inneren Emigration überdauerte, bis zu seinen Funktionen unter anderem als Gründungsmitglied des Bayerischen Bauernverbandes, Landesvorsitzender der Bayernpartei (BP) und Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Fischbacher erscheint dabei als herausragender Vertreter der politischen Strömung des extremen Föderalismus, dessen Ausgangspunkt der Autor auf die Reichsgründung 1871 datiert. Dieser extreme Bayernpatriotismus habe sich auf keine eigene politische Theorie gestützt, sondern sich vornehmlich durch Anti-Haltungen definiert, schreibt Walther. Die Bayernpartei habe sich dabei viele Elemente dieser Ideologie mit der CSU geteilt, aber die Bedeutung der bayerischen Kultur viel stärker betont, mit schließlich negativen Folgen: „Die erfolgreiche Entwicklung der Bundesrepublik hebelte seit Mitte der 50er Jahre die Relevanz der zentralen Denkfigur der Bayern-Ideologie aus: Die Koppelung von wirtschaftlicher und kultureller Blüte an die bayerische Souveränität“ (416). Fischbachers politische Karriere endete 1966 mit einer weiteren Wahlniederlage der BP. Insgesamt hat der Autor damit zwar den politischen Werdegang Fischbachers und seiner Partei dargestellt, deren politische Engstirnigkeit und das Verkennen der bundesdeutschen Entwicklung aber nur sehr verhalten kritisch eingeordnet.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Christoph Walther: Jakob Fischbacher und die Bayernpartei. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25351-jakob-fischbacher-und-die-bayernpartei_29379, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29379
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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