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/ 20.06.2013
Horst Siebert

Jenseits des Sozialen Marktes. Eine notwendige Neuorientierung der deutschen Politik

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2005; 539 S.; geb., 29,90 €; ISBN 3-421-05848-2
Siebert, emeritierter Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel und Mitglied der beim Präsidenten der Europäischen Kommission angesiedelten „Group of Economic Policy Analysis“, will ein objektives Bild der deutschen Volkswirtschaft zeichnen, die Ursachen des fallenden Wirtschaftswachstums seit den Neunzigerjahren analysieren und Lösungsansätze zu dessen Erneuerung präsentieren. Dass das Buch die umgearbeitete Version von „The German Economy. Beyond the Social Market“ ist, erklärt die umfangreiche, aber verständliche Einführung in das deutsche Wirtschaftssystem. Die nüchterne Sachlichkeit des Buches, die es für ein Laienpublikum lesbar macht, erfüllt auch einen durchaus politischen Zweck, etwa wenn der Autor schreibt: „Während die Frage, wie viel Umverteilung wünschenswert ist, ein Werturteil bleibt, ist die Aussage angemessen, dass in Deutschlands momentaner Situation weniger Gleichheit und ein geringerer, neu definierter Grad von Absicherung notwendig sind, um einen höheren Wachstumspfad und eine höhere Beschäftigungsquote zu erreichen.“ (506) Wenig überraschend lauten seine Lösungsvorschläge: Lohnzurückhaltung, Senkung der sozialen Gesamtausgaben, Anstieg des Renteneintrittsalters, fortschreitende Privatisierung bei den Sozialversicherungen, Stärkung der Eigeninitiative und Verzicht auf so genannte kollektiv-korporative Lösungen, was natürlich auf die Gewerkschaften, das Betriebsverfassungsgesetz und die Tarifautonomie gemünzt sein dürfte. Anzumerken sei, dass die gewählten und nur scheinbar objektiven Dualismen von Gerechtigkeit oder Wirtschaftsdynamik, Kollektivismus oder Individualismus und Korporatismus oder Wettbewerb zwar klassischen wirtschaftsliberalen Vorstellungen entsprechen, aber zur Lösung des politischen Problems, wie eine gesellschaftliche und demokratische Integration von sozialer und wirtschaftlicher Ungleichheit weitgehend konfliktfrei aussehen kann, nur wenig beitragen.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.32.3422.34 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Horst Siebert: Jenseits des Sozialen Marktes. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23645-jenseits-des-sozialen-marktes_27155, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27155 Rezension drucken
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