/ 22.06.2013
Marie-Luise Recker
Konrad Adenauer. Leben und Politik
München: C. H. Beck 2010 (C. H. Beck Wissen 2483); 111 S.; 8,95 €; ISBN 978-3-406-58783-2Das kurze Porträt des ersten Bundeskanzlers beginnt mit einem Prolog über seinen Tod und den folgenden Staatsakt. „Wer war dieser Tote, der in einer von Gemessenheit und Würde geprägten Zeremonie zu Grabe getragen wurde?“ (10) Recker, Professorin für Neueste Geschichte in Frankfurt am Main, stellt vor allem das politische Leben Adenauers nach 1945 in den Mittelpunkt, beginnend mit der Gründung der CDU und der Feststellung, Adenauers Weltbild sei für diese Zeit „nicht leicht zu fassen“ (32). Auf jeden Fall aber sollte seiner Ansicht nach der Einzelne in das Zentrum des Staats- und Gesellschaftsverständnisses gestellt werden. In diese erste Zeit fällt auch Adenauers Engagement in der nordrhein-westfälischen Landespolitik. Als eigentlichen politischen Aktionsraum habe er aber den entstehenden westdeutschen Staat angesehen, schreibt Recker. Sie porträtiert ihn dann als einen Kanzler, der das Kabinett „mit starker Hand“ (50) führte und dabei möglichst den thematischen Rahmen und das Ziel der Debatte vorgab. Die Ausprägung der „Kanzlerdemokratie“ sei allerdings auch durch Adenauers „privilegierte Beziehungen zu den Alliierten Hohen Kommissaren“ (53) begünstigt worden. Dargestellt wird auch Adenauers Umgang mit der deutschen NS-Vergangenheit. An dem Unrechtscharakter der Diktatur habe für ihn keinerlei Zweifel bestanden, die Amnestiegesetze der frühen 50er-Jahre seien vor allem taktischen Überlegungen geschuldet gewesen – das „Millionenheer an ehemaligen Parteigenossen, Soldaten, Internierten und entlassenen Beamten, selbst bereits verurteilte NS-Täter sollten für das demokratische System gewonnen“ (55) werden. Ebenfalls eine „taktische Komponente“ sei Bestandteil des Versuchs einer „Wiedergutmachung“ (56) und der Anerkennung der deutschen Schuld am Holocaust gewesen mit dem Ziel, zu einer guten internationalen Reputation zurückzufinden. Ein eigenes Kapitel ist der Außenpolitik gewidmet, u. a. mit der Feststellung, dass der Preis von Sicherheit und Stabilität durch Westbindung „die Vertiefung der deutschen Einheit“ (86) gewesen sei.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Marie-Luise Recker: Konrad Adenauer. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31990-konrad-adenauer_38150, veröffentlicht am 13.04.2010.
Buch-Nr.: 38150
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