/ 21.06.2013
Gudrun Quenzel
Konstruktionen von Europa. Die europäische Identität und die Kulturpolitik der Europäischen Union
Bielefeld: transcript 2005 (Global Studies); 325 S.; kart., 28,80 €; ISBN 978-3-89942-414-0Um die Unterstützung der Bürger für die Europäische Union zu stärken, bedient sich die Kommission auch der Konstruktion von „Europäizität“. Insbesondere auf dem Gebiet der Kultur betreibe sie Identitätspolitik, so Quenzels These. Die Verfasserin prüft mittels Diskursanalyse Rechtsakte der EU, Medienberichte sowie Publikationen zu den Kulturhauptstädten auf bewusst konstruierte Bilder von Europa. Insgesamt zwölf solcher Bilder findet sie – von der technischen Zivilisation über die Werte-, Erinnerungs- oder Kommunikationsgemeinschaft bis zum christlichen Abendland. Die Schaffung eines europäischen Demos mittels Konstruktion kollektiver Identität geschehe aber nicht über eine wachsende Identifikation der Einzelnen mit einem Objekt. Der Prozess verlaufe vielmehr umgekehrt – die europäischen Subjekte würden durch Identitätspolitik erst geschaffen. Unabhängig davon, ob der Erkenntnisgewinn des Vergleichs der Außendarstellung zweier Kulturhauptstädte und der EU-Rechtsakte den Aufwand rechtfertigt, schließt die Arbeit eine Lücke der Forschung zur europäischen Identität. Innovativ ist überdies Quenzels Vorschlag, sich bei der Identitätspolitik der EU nicht auf Bestandteile Europas zu beschränken, sondern auch das nicht-europäische Andere in die Beschreibung des Selbst einzubeziehen, ohne es als Gegenidentität zu stilisieren.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 3.5 | 3.4
Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Gudrun Quenzel: Konstruktionen von Europa. Bielefeld: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26627-konstruktionen-von-europa_31041, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31041
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
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