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/ 21.06.2013
Oliver Jens Schmitt

Kosovo. Kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft

Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2008 (Uni-Taschenbücher 3156 [ISBN: 978-3-8252-3156-9]); 393 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-205-77836-3
In seinen heutigen Grenzen existiert der Kosovo im Wesentlichen erst seit 1945. Schmitt, Professor für Osteuropäische Geschichte in Wien, geht es nicht um eine rein chronologische Darstellung, sondern darum, die räumlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen der Region zu erklären. Das Buch, das aus Lehrveranstaltungen hervorgegangen ist, gliedert sich in drei Hauptteile: Im Mittelpunkt des ersten Abschnitts steht die Strukturgeschichte der Vormoderne. Im Laufe der vergangenen beiden Jahrtausende war der Kosovo Teil dreier großer Reiche: des römischen, des byzantinischen und des osmanischen. Schmitt erläutert, dass ethnonationale Identitäten erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind und bettet so die jetzige Konfliktsituation in einen breiten historischen Rahmen ein. Im zweiten Hauptteil wendet er sich dem 20. Jahrhundert zu, als mit den beiden Jugoslawien (1918-1941 sowie 1945-1999) „ein neues Stadium von Herrschaftsverdichtung, politisch-administrativer Durchdringung, gewaltsamer Mobilisierung der Gesellschaft und staatlich betriebener Modernisierungsstrategien erreicht und die vormodernen Strukturen in ihren Grundfesten erschüttert wurden“ (14). Darin beschreibt Schmitt die Nationalisierung der Gesellschaft im Kosovo, das heißt den Wandel vormoderner religiöser bzw. sozioökonomischer in ethnonationale Identitäten. Ihm zufolge wirkten politische Ereignisse seit den 80er-Jahren stark auf die sozioökonomischen Strukturen ein. Als Beispiel führt er die Unruhen von 1981 an, als Kosovo-Albaner eine Krise in Jugoslawien auslösten. Im Schlussteil wird die Schutzherrschaft der Vereinten Nationen im Zeitraum zwischen 1999 und 2008 dargestellt. Um ein Ausgreifen des radikalen albanischen Nationalismus vom Kosovo aus dauerhaft zu unterbinden und die Lage zu stabilisieren, hält er die Einbindung von Nachbarstaaten wie Makedonien in die NATO (eventuell auch in die EU) für erforderlich.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Oliver Jens Schmitt: Kosovo. Wien/Köln/Weimar: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29418-kosovo_34811, veröffentlicht am 10.02.2009. Buch-Nr.: 34811 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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