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/ 21.06.2013
Wolfgang Fritz Haug

Kritik der Warenästhetik. Gefolgt von Warenästhetik im High-Tech-Kapitalismus

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2009 (edition suhrkamp 2553); 350 S.; überarb. Neuausgab.; 14,- €; ISBN 978-3-518-12553-3
Die erstmals 1971 erschienene Studie zur „Kritik der Warenästhetik“ kann mittlerweile als Klassiker bezeichnet werden. Haug verfolgte das Ziel, „die Erscheinungen der Warenästhetik ökonomisch abzuleiten und im Systemzusammenhang zu entwickeln und darzustellen“ (23). Er ging damit weit über eine einfache Analyse der Funktion von Werbung und Design hinaus, indem die durch die Ware verdinglichten Subjekt-Objekt-Beziehungen als wesentlicher Kern der kapitalistischen Produktionsweise beschrieben wurden. Nach fast 40 Jahren ist dieses sehr lesenswerte Buch nun in einer überarbeiteten Neuauflage erschienen, wesentliche Korrekturen sind vor allem im vierten Kapitel über den osteuropäischen Staatssozialismus eingearbeitet worden. Außerdem wurde es um das Folgebuch „Warenästhetik im High-Tech-Kapitalismus“ ergänzt. Dieses war zunächst lediglich als Zusatzkapitel gedacht, um die damaligen Erkenntnisse im Lichte aktueller Entwicklungen einer Neubewertung unterziehen zu können. Die Ausdehnung auf knapp 150 Seiten erwies sich letztendlich als notwendig, obwohl die alten analytischen Kategorien und Erkenntnisse scheinbar nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben – man könnte indes auch sagen: gerade weil dies so ist! Trotz eines leichten Schmunzelns, welches einen beim Lesen des ersten Buches angesichts der ausgewählten, vor 40 Jahren hochaktuellen Fallbeispiele gelegentlich überkommt, lässt sich im zweiten Buch gut beobachten, wie stabil sich die grundlegenden Funktionsvoraussetzungen des kapitalistischen Systems erweisen. Internet und Hochtechnologie mögen zwar die Kräfteverhältnisse innerhalb des Kapitalismus massiv verschoben haben, dies verändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich der Kapitalismus in erster Linie auch heute noch immer wieder neu erfindet, indem er seine Konsumenten neu erfindet. Oder, um es in Haugs Worten zu formulieren: „Je mehr es sich ändert, desto mehr bleibt es dasselbe“ (218).
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.45 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Wolfgang Fritz Haug: Kritik der Warenästhetik. Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31367-kritik-der-warenaesthetik_37330, veröffentlicht am 23.02.2010. Buch-Nr.: 37330 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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